ISO 17025

ISO 17025 — Kompetenz von Laboren

ISO/IEC 17025 legt fest, was ein Prüf- oder Kalibrierlabor können muss, damit seine Ergebnisse außerhalb des eigenen Hauses zählen. Der Nachweis dafür ist kein Zertifikat, sondern eine Akkreditierung mit einem genau umrissenen Umfang.

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Laborantin führt eine Messung an einem Analysegerät durch

ISO/IEC 17025 beschreibt die allgemeinen Anforderungen an die Kompetenz, die Unparteilichkeit und den einheitlichen Betrieb von Laboratorien. Gemeint sind damit alle Stellen, die prüfen, kalibrieren oder Proben nehmen — vom Werkslabor eines Metallverarbeiters bis zum Auftragslabor mit mehreren hundert Verfahren im Portfolio.

An einem Punkt gehen die meisten Missverständnisse los: Nach ISO 17025 wird nicht zertifiziert, sondern akkreditiert. Eine Zertifizierung bestätigt, dass ein Managementsystem die Anforderungen einer Norm erfüllt. Eine Akkreditierung bestätigt darüber hinaus die fachliche Kompetenz für einzeln benannte Verfahren. Zuständig ist dafür in Deutschland die DAkkS als nationale Akkreditierungsstelle — keine Zertifizierungsstelle kann diesen Nachweis ausstellen.

Diese Unterscheidung ist keine Formalie. Wer eine Ausschreibung liest, in der „akkreditiertes Labor nach DIN EN ISO/IEC 17025” steht, braucht die Urkunde einer Akkreditierungsstelle samt Anlage. Ein Zertifikat mit ähnlichem Wortlaut erfüllt die Anforderung nicht.

Was die Norm verlangt

Die Norm ist seit der Fassung von 2017 nach Ressourcen und Prozessen gegliedert statt nach Management- und Technikteil. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Abschnitten 6 und 7.

AbschnittInhaltWorauf die Begutachtung zielt
4Allgemeine AnforderungenUnparteilichkeit als bewertetes Risiko, Vertraulichkeit der Kundendaten
5Strukturelle AnforderungenRechtsform, Leitung, Verantwortlichkeiten, definierter Tätigkeitsumfang
6RessourcenPersonal und Befugnisse, Räume und Umgebungsbedingungen, Ausrüstung, metrologische Rückführung, extern bezogene Leistungen
7ProzesseAuftragsprüfung, Methodenwahl und -validierung, Probenahme, Umgang mit Prüfgegenständen, technische Aufzeichnungen, Messunsicherheit, Sicherung der Validität, Berichte, Beschwerden, nichtkonforme Arbeit, Datenlenkung
8ManagementsystemOption A mit eigenen Regelungen oder Option B über ein ISO-9001-System

Vier Anforderungen entscheiden in der Praxis über das Ergebnis der Begutachtung.

Metrologische Rückführung. Jeder Messwert braucht eine lückenlose Kette von Vergleichen bis zu einem anerkannten Normal, mit dokumentierter Unsicherheit in jedem Glied. Fehlt die Kette, ist der Wert eine Zahl ohne Bezug. Details dazu im Glossareintrag zur metrologischen Rückführbarkeit.

Messunsicherheit. Sie ist Teil des Ergebnisses, nicht ein Zusatz. Prüflabore müssen die Unsicherheit zumindest abschätzen, Kalibrierlabore sie vollständig ermitteln und im Kalibrierschein angeben.

Methodenvalidierung. Genormte Verfahren werden im eigenen Haus verifiziert, hausinterne oder abgewandelte Verfahren vollständig validiert. Der Unterschied wird regelmäßig verwechselt und ebenso regelmäßig aufgeschrieben.

Sicherung der Validität der Ergebnisse. Interne Qualitätsregelkarten, Doppelbestimmungen, Referenzmaterialien und die Teilnahme an Ringversuchen. Die Planung muss den gesamten akkreditierten Umfang abdecken, nicht nur die Verfahren mit dem größten Probenaufkommen.

Was am Ende gilt, steht in der Anlage zur Urkunde: dem Akkreditierungsumfang. Nur die dort gelisteten Verfahren dürfen mit dem Akkreditierungssymbol berichtet werden. Labore mit häufig wechselnden Kundenmethoden beantragen stattdessen eine flexible Akkreditierung, die Anpassungen innerhalb definierter Grenzen erlaubt — im Gegenzug prüft die Begutachtung das interne Freigabeverfahren umso genauer.

Für wen sich die Akkreditierung lohnt — und wann nicht

Sie lohnt sich, sobald Ergebnisse das eigene Haus verlassen und dort eine Entscheidung tragen. Typisch sind vier Konstellationen: Berichte gehen an Behörden oder in regulierte Verfahren; Kunden verlangen den Nachweis vertraglich oder in Ausschreibungen; das Labor stellt Kalibrierscheine für Dritte aus; Ergebnisse müssen im Ausland anerkannt werden.

Sie lohnt sich nicht automatisch für ein reines Inhouse-Labor, dessen Werte nur die eigene Fertigung steuern. Dort tragen die Bausteine der Norm — rückgeführte Messmittel, validierte Methoden, Ringversuche — den Nutzen bereits allein. Der Aufwand für Umfangspflege, Begutachtungen und Gebühren kommt oben drauf, ohne dass jemand danach fragt.

Der zweite Fall, in dem man abraten sollte: ein Labor mit wenigen Verfahren und dünner Personaldecke. Die Norm verlangt für jedes akkreditierte Verfahren dauerhaft befugtes und nachweislich kompetentes Personal. Wer zwei Leute für zwölf Verfahren hat, hält den Umfang nach der ersten Kündigung nicht mehr.

Der Weg zur Akkreditierung

Der Ablauf folgt dem üblichen Muster aus Antrag, Dokumentenprüfung, Vor-Ort-Begutachtung und Entscheidung. Drei Punkte sind gegenüber einer Managementsystem-Zertifizierung anders und bestimmen den Zeitplan.

Der Umfang wird zuerst festgelegt, nicht zuletzt. Sie beantragen konkrete Verfahren mit Messbereichen. Was Sie nicht beantragen, wird nicht begutachtet und steht später nicht in der Anlage. Nachträge sind möglich, kosten aber eine eigene Begutachtung.

Es kommen Fachbegutachter dazu. Neben dem leitenden Begutachter prüfen Fachleute des jeweiligen Prüfgebiets. Ihre Verfügbarkeit ist der häufigste Grund für lange Vorlaufzeiten, besonders in Nischenverfahren.

Es wird zugesehen. Die Zeugenbegutachtung ist die Besonderheit des Verfahrens: Der Fachbegutachter beobachtet, wie eine Mitarbeiterin die Methode tatsächlich durchführt. Papier hilft an dieser Stelle nicht.

Nach der Entscheidung erhalten Sie die Akkreditierungsurkunde mit der Anlage. Der Zyklus läuft über mehrere Jahre und wird durch Überwachungsbegutachtungen unterbrochen; zum Ende steht eine vollständige Wiederholungsbegutachtung an. Bei der Auswahl der Stelle gelten dieselben Fragen wie bei jeder Zertifizierungsstelle — nur dass die Auswahl bei der Akkreditierung national vorgegeben ist.

Woran Begutachtungen scheitern

Die Messunsicherheit ist nur für einen Teil der Verfahren ermittelt. Meist für die Kernmethoden sauber, für die selten genutzten gar nicht. Die Norm kennt diese Abstufung nicht.

Validierung und Verifizierung sind vertauscht. Für ein hausintern abgewandeltes Verfahren liegt nur eine Verifizierung vor. Sobald an einer genormten Methode etwas geändert wurde, verlangt die Norm die vollständige Validierung.

Der Bericht enthält eine Konformitätsaussage ohne vereinbarte Entscheidungsregel. Ein Kreuz bei „bestanden”, ohne dass geregelt ist, wie die Messunsicherheit in diese Aussage eingeht. Das ist eine der häufigsten Feststellungen seit der Fassung 2017.

Die Ringversuchsplanung deckt den Umfang nicht ab. Es wird teilgenommen, aber ohne Plan, der alle akkreditierten Verfahren über einen definierten Zeitraum erfasst.

Die Unparteilichkeit ist nicht bewertet. Besonders in Werkslaboren, die organisatorisch der Produktion unterstehen. Gefordert ist eine dokumentierte Analyse der Risiken samt Maßnahmen — nicht die Behauptung, man arbeite objektiv.

Zwischenprüfungen der Ausrüstung fehlen. Zwischen zwei Kalibrierungen liegen Monate. Ohne Zwischenkontrolle weiß niemand, ab wann ein driftendes Gerät falsche Werte geliefert hat.

Es wird Probenahme betrieben, die nicht im Umfang steht. Sobald das Labor die Probe selbst nimmt, ist die Probenahme Teil der Leistung und muss abgedeckt sein.

Abgrenzung zu verwandten Normen

Die 17000er-Reihe verteilt die Konformitätsbewertung auf verschiedene Stellenarten. Wer die falsche Norm beantragt, begutachtet das Falsche.

NormGegenstandWer sie braucht
ISO 9001Managementsystem, keine fachliche KompetenzLabore, deren Kunden ausdrücklich ISO 9001 fordern
ISO 15189Medizinische Laboratorien, inklusive Präanalytik und PostanalytikLabore in der Patientenversorgung
ISO/IEC 17020Inspektionsstellen, die begutachten und beurteilenPrüfstellen für Anlagen, Bauteile, Fahrzeuge
ISO/IEC 17065Zertifizierung von Produkten und ProzessenStellen, die Produktkonformität bescheinigen
ISO/IEC 17043Anbieter von EignungsprüfungenRingversuchsanbieter
ISO/IEC 17021-1Zertifizierung von ManagementsystemenZertifizierungsstellen für ISO 9001, ISO 14001 und andere

Am häufigsten wird ISO 17025 mit ISO/IEC 17020 verwechselt. Die Trennlinie: Ein Labor misst und berichtet Werte. Eine Inspektionsstelle beurteilt einen Gegenstand gegen Anforderungen und trifft ein Urteil. Wer beides tut, braucht beides — oder muss die Tätigkeiten sauber trennen. Welche Bedeutung der genaue Wortlaut des Umfangs für Ihre Ausschreibungen hat, erklärt der Beitrag dazu, was der Akkreditierungsumfang für Sie bedeutet.

Häufige Fragen zu ISO 17025

Wird ein Labor nach ISO 17025 zertifiziert oder akkreditiert?

Akkreditiert. Zuständig ist die nationale Akkreditierungsstelle, in Deutschland die DAkkS, nicht eine Zertifizierungsstelle. Der Unterschied ist inhaltlich: Eine Zertifizierung bestätigt, dass ein Managementsystem den Anforderungen einer Norm entspricht. Eine Akkreditierung bestätigt zusätzlich die fachliche Kompetenz für konkret benannte Verfahren. Anbieter, die ein „ISO-17025-Zertifikat“ verkaufen, liefern etwas anderes als das, was Ihre Kunden verlangen.

Was steht im Akkreditierungsumfang?

Die einzelnen Prüf- oder Kalibrierverfahren, für die das Labor als kompetent begutachtet wurde — je nach Fachgebiet mit Matrix, Messgröße, Messbereich und angegebener Messunsicherheit. Nur was dort steht, darf mit dem Akkreditierungssymbol berichtet werden. Alles andere ist eine nicht akkreditierte Leistung und muss im Bericht auch so gekennzeichnet sein.

Ersetzt ISO 17025 eine ISO-9001-Zertifizierung?

Für die meisten Zwecke ja, in der Wirkung sogar mehr. Abschnitt 8 der ISO 17025 lässt zwei Wege zu: eigene Managementsystemregelungen nach Option A oder ein ISO-9001-konformes System nach Option B. Wer beide Nachweise braucht, weil ein Kunde ausdrücklich ISO 9001 fordert, kann sie kombinieren — nötig ist es fachlich nicht.

Warum steht auf einem akkreditierten Prüfbericht keine Bewertung?

Weil eine Konformitätsaussage eine vorher vereinbarte Entscheidungsregel voraussetzt. Das Labor kennt Ihre Toleranz nicht und darf sie nicht erfinden. Ohne vereinbarte Regel liefert der Bericht Messwert und Messunsicherheit — die Bewertung, ob das ausreicht, bleibt bei Ihnen. Wollen Sie ein Urteil im Bericht, müssen Sie Toleranz und Entscheidungsregel bei der Auftragserteilung angeben.

Was ist eine flexible Akkreditierung?

Ein Umfang, der nicht jedes Verfahren einzeln festschreibt, sondern dem Labor erlaubt, Methoden innerhalb definierter Grenzen selbst anzupassen oder aufzunehmen. Das setzt ein belastbares Verfahren zur Methodenvalidierung und zur internen Freigabe voraus, weil die Akkreditierungsstelle die Kontrolle über den Einzelfall abgibt. Für Labore mit häufig wechselnden Kundenmethoden ist das der entscheidende Vorteil, für kleine Labore mit stabilem Portfolio unnötiger Aufwand.

Wird ein akkreditierter Bericht im Ausland anerkannt?

In der Regel ja, sofern die Akkreditierungsstelle den multilateralen Abkommen von EA und ILAC angehört. Die Unterzeichner erkennen die Begutachtungen der jeweils anderen an, weil sie sich gegenseitig überprüfen. Praktisch heißt das: Ein Bericht mit dem Symbol einer Unterzeichnerstelle muss im Zielmarkt nicht erneut erbracht werden.

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