ISO 3834 legt Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen metallischer Werkstoffe fest. Der Grund für ihre Existenz ist technischer Natur: Schweißen gilt als spezieller Prozess. Sein Ergebnis lässt sich am fertigen Bauteil nicht vollständig prüfen, ohne es zu zerstören. Wenn die Endkontrolle die Qualität nicht sichern kann, muss der Prozess sie sichern — Personal, Verfahren, Werkstoffe, Geräte und Aufsicht.
Die Norm besteht aus mehreren Teilen. Einer beschreibt, wie die passende Stufe ausgewählt wird. Drei Teile enthalten die eigentlichen Anforderungen in abgestufter Tiefe: umfassend, Standard, elementar. Ein weiterer Teil listet die Dokumente auf, die zur Erfüllung heranzuziehen sind, ein letzter gibt Hinweise zur Einführung.
Was ISO 3834 nicht ist: ein Managementsystem. Sie enthält keine Anforderungen zu Unternehmensführung, Zielen oder Verbesserungsprogrammen. Deshalb wird sie auch nicht als Managementsystem zertifiziert, sondern als Prozess. Für Betriebe bedeutet das im Alltag: Das Audit findet überwiegend in der Halle statt, nicht im Besprechungsraum.
Die drei Stufen und wie man die richtige wählt
| Stufe | Typischer Anwendungsbereich | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Umfassend | Sicherheitsrelevante, hoch oder dynamisch beanspruchte Bauteile; Druckgeräte, Kranbau, Brückenbau | Vollständige Anforderungen an Planung, Prüfung, Aufsicht und Dokumentation |
| Standard | Üblicher Stahl- und Metallbau, Maschinenbau mit tragenden Verbindungen | Kernanforderungen, reduzierte Dokumentations- und Prüfpflichten |
| Elementar | Einfache Konstruktionen ohne wesentliche Sicherheitsfunktion | Grundanforderungen an Personal, Geräte und Prüfung |
Die Auswahl ist keine freie Entscheidung. Sie ergibt sich aus Sicherheitsbedeutung, Beanspruchung, Werkstoff und dem, was Auftraggeber oder Produktnormen verlangen. Bei Bauteilen nach EN 1090 ist die Zuordnung fest: Die Ausführungsklasse bestimmt, welche Stufe der ISO 3834 gilt. Für die häufige Ausführungsklasse EXC2 ist das die Standardstufe, für EXC3 und EXC4 die umfassende.
Praktisch relevant ist die Konsequenz. Wer die umfassende Stufe wählt, braucht eine höher qualifizierte Schweißaufsicht, mehr zerstörungsfreie Prüfung und deutlich mehr Nachweisführung — dauerhaft, nicht nur zum Audittermin. Wer sie ohne Anlass beantragt, kauft sich einen Kostenblock ein, den kein Kunde bezahlt.
Was im Audit verlangt wird
| Bereich | Was nachzuweisen ist |
|---|---|
| Anfrage- und Auftragsprüfung | Prüfung, ob Werkstoff, Nahtform, Prüfumfang und Termin technisch leistbar sind — schweißtechnisch, nicht nur kaufmännisch |
| Schweißaufsicht | Benannte Person mit passender Qualifikationsstufe, festgelegten Aufgaben, Befugnissen und benannter Vertretung |
| Personal | Gültige Prüfungszeugnisse für Schweißer und Bediener, passend zum tatsächlich geschweißten Bereich |
| Prüfpersonal | Qualifiziertes Personal für Sichtprüfung und zerstörungsfreie Prüfung, mit gültigem Nachweis |
| Verfahren | Schweißverfahrensprüfungen mit Protokoll und daraus abgeleitete Schweißanweisungen, verfügbar am Arbeitsplatz |
| Werkstoffe und Zusätze | Beschaffung, Identifizierung, Rückverfolgbarkeit, sachgerechte Lagerung und Handhabung der Zusatzwerkstoffe |
| Geräte | Eignung, geplante Instandhaltung und regelmäßige Überprüfung der Schweißstromquellen |
| Fertigungsplanung | Arbeits- und Prüffolge, Vorgaben zu Nahtvorbereitung, Vorwärmung, Zwischenlagentemperatur und Reihenfolge |
| Wärmebehandlung | Nachweis über Verfahren, Parameter und Aufzeichnung, wo gefordert |
| Prüfung und Bewertung | Prüfungen vor, während und nach dem Schweißen; Bewertungsgruppen nach Vorgabe |
| Abweichungen | Umgang mit fehlerhaften Nähten, Nacharbeit und erneuter Prüfung |
| Kalibrierung | Rückführbare Kalibrierung der Mess- und Prüfmittel |
| Aufzeichnungen | Dokumentation im Umfang der gewählten Stufe, mit festgelegter Aufbewahrung |
Die Schweißaufsicht ist der Dreh- und Angelpunkt. Die Norm verweist dafür auf ein eigenes Regelwerk, das Aufgaben und Verantwortung beschreibt. In der Praxis entscheidet diese Rolle über den Erfolg des gesamten Systems: Sie bestätigt Schweißerprüfungen, gibt Schweißanweisungen frei, entscheidet über Nacharbeit und prüft die Auftragsdurchführung. Eine Schweißaufsicht, die nur auf dem Organigramm steht, führt zwangsläufig zu Feststellungen an vielen anderen Stellen.
Für wen sich die Zertifizierung lohnt — und für wen nicht
Sie lohnt sich, wenn Auftraggeber sie verlangen. Das ist im Anlagen-, Behälter- und Apparatebau, im Kranbau, bei Bahnzulieferern und bei Industriekunden mit eigener Lieferantenqualifizierung häufig der Fall. Sie lohnt sich außerdem, wenn Sie in Ausschreibungen antreten, in denen die schweißtechnische Eignung nachzuweisen ist — dort ersetzt das Zertifikat eine Reihe von Einzelnachweisen.
Sie lohnt sich auch als Vorbereitung. Betriebe, die eine EN-1090-Zertifizierung planen, bauen mit ISO 3834 genau den Teil auf, der dort ohnehin verlangt wird. Der Aufwand fällt dann nur einmal an.
Sie lohnt sich nicht, wenn Sie ausschließlich Bauteile nach EN 1090 fertigen und kein Kunde ein separates Zertifikat fordert. Die schweißtechnischen Anforderungen werden im Rahmen der werkseigenen Produktionskontrolle mitgeprüft — ein zweites Zertifikat bringt dann keinen zusätzlichen Nachweis, sondern ein zweites Audit.
Sie lohnt sich ebenfalls nicht, wenn Sie Schweißarbeiten vollständig fremdvergeben. Dann brauchen Sie kein eigenes Zertifikat, sondern ein Verfahren zur Lenkung Ihres Auftragnehmers. Dass Sie ihn steuern und dass er qualifiziert ist, müssen Sie allerdings nachweisen können.
Ein weiterer Grenzfall sind Betriebe mit sehr breitem Werkstoffspektrum. Wer Baustahl, nichtrostenden Stahl und Aluminium schweißt, braucht für jede Werkstoffgruppe eigene Verfahrens- und Schweißerprüfungen. Die Zertifizierung selbst kostet dadurch kaum mehr, die dauerhafte Pflege der Qualifikationen aber deutlich. Es kann wirtschaftlicher sein, den Geltungsbereich auf die Werkstoffe zu begrenzen, die regelmäßig anfallen.
Der Weg zum Zertifikat — was hier anders läuft
Antrag, Auditvorbereitung, Werksaudit, Bearbeitung der Feststellungen, Entscheidung: Der Rahmen entspricht anderen Verfahren. Drei Punkte sind schweißtechnisch bedingt anders.
Der Vorlauf liegt in der Technik, nicht in der Dokumentation. Schweißverfahrensprüfungen brauchen Prüfstücke, ein Labor und Zeit. Wer feststellt, dass sein Geltungsbereich mehr Prüfungen verlangt als vorhanden, verliert Monate. Das ist der erste Punkt, den man klärt — vor jedem Handbuch.
Der Auditor ist Schweißfachmann. Anders als bei einer Systemzertifizierung prüft hier jemand, der Nahtvorbereitung, Bewertungsgruppen und Kennwerte beurteilen kann. Er wird sich Bauteile zeigen lassen und Aufzeichnungen zu konkreten Aufträgen verlangen, nicht Beispiele.
Die Stelle muss zum Zielmarkt passen. Zertifizierungen nach ISO 3834 werden über akkreditierte Stellen und über das internationale Schweißtechnik-System ausgestellt. Was Ihr Auftraggeber anerkennt, klären Sie vorher; Hinweise dazu unter Akkreditierung und Zertifizierungsstelle.
Ein Punkt zur Terminplanung, der oft übersehen wird: Das Audit setzt laufende Fertigung voraus. Der Auditor will schweißen sehen, Anweisungen am Arbeitsplatz vorfinden und Aufzeichnungen zu Aufträgen einsehen, die gerade in Arbeit sind. Ein Termin in einer produktionsfreien Woche bringt keinen verwertbaren Nachweis und wird in der Regel verschoben.
Woran Betriebe scheitern
Schweißerprüfungen nicht bestätigt. Die Zeugnisse liegen vor, aber die regelmäßige Bestätigung durch die Schweißaufsicht fehlt oder ist nicht durch Beschäftigungsnachweise unterlegt.
Geltungsbereich der Prüfung passt nicht. Geschweißt wird ein Werkstoff, eine Dicke oder eine Position außerhalb dessen, was das Zeugnis oder die Verfahrensprüfung abdeckt.
Schweißanweisungen nicht am Arbeitsplatz. Sie existieren, liegen aber im Büro. Oder sie sind nicht aus einer Verfahrensprüfung abgeleitet, sondern frei formuliert.
Zusatzwerkstoffe falsch gelagert. Geöffnete Packungen ohne Kennzeichnung, umhüllte Elektroden ohne Rücktrocknung, keine getrennte Lagerung nach Sorte.
Schweißaufsicht nicht erreichbar. Ein externer Schweißfachingenieur ist benannt, kommt aber selten in den Betrieb und hat keine dokumentierte Vertretung. Die Aufgaben werden faktisch vom Meister übernommen, ohne dass er dafür befugt ist.
Überprüfung der Schweißanlagen versäumt. Instandhaltung findet statt, die regelmäßige Überprüfung der Stromquellen ist nicht nachgewiesen.
Rückverfolgbarkeit endet am Zuschnitt. Prüfbescheinigungen zum Werkstoff sind vorhanden, aber Reststücke werden ohne Übertragung der Kennzeichnung weiterverarbeitet.
Prüfumfang nicht eingehalten. Der geforderte Anteil zerstörungsfreier Prüfung wurde nicht erreicht, oder die Ergebnisse liegen nur als Notiz vor. Ein ordentlicher Prüfbericht mit Verfahren, Umfang, Bewertungsgruppe und Prüferqualifikation gehört zur Akte.
Fremdvergabe ungelenkt. Ein Subunternehmer schweißt, ohne dass seine Qualifikationen, Verfahren und Prüfungen in das eigene System eingebunden sind.
Auftragsprüfung nur kaufmännisch. Angebote werden auf Preis und Termin geprüft, aber niemand hat vor der Zusage geklärt, ob Werkstoff, Nahtform und geforderte Bewertungsgruppe mit den vorhandenen Verfahrensprüfungen machbar sind.
Nacharbeit ohne erneute Prüfung. Fehlerhafte Nähte werden ausgearbeitet und neu geschweißt, die Wiederholungsprüfung ist aber nicht dokumentiert.
Abgrenzung zu verwandten Normen
| Norm oder Regelwerk | Für wen | Verhältnis zu ISO 3834 |
|---|---|---|
| EN 1090 | Hersteller tragender Bauteile aus Stahl und Aluminium | Fordert die Stufe der ISO 3834 abhängig von der Ausführungsklasse |
| ISO 9001 | Alle Branchen | Managementsystem; deckt den speziellen Prozess Schweißen nicht ab |
| ISO 14731 | Schweißaufsichtspersonen | Beschreibt Aufgaben und Verantwortung der Aufsicht, auf die ISO 3834 verweist |
| ISO 9606 | Schweißer | Regelt die Prüfung der Schweißer, deren Zeugnisse ISO 3834 fordert |
| EN 15085 | Schweißen an Schienenfahrzeugen | Eigene Zertifizierung mit eigenen Zertifizierungsstufen; setzt ISO 3834 voraus |
| DIN 2303 | Wehrtechnik und Sicherheitstechnik | Eigene Güteklassen, baut auf den Anforderungen der ISO 3834 auf |
| Druckgeräteregelwerke | Behälter- und Apparatebau | Verlangen Schweißnachweise, häufig zusammen mit ISO 3834 als Grundlage |
| EN 9100 | Luft- und Raumfahrt | Andere Nachweiskette; Schweißen wird dort meist über kundeneigene Verfahrensfreigaben geregelt |
Der häufigste Irrtum ist, ISO 9001 decke das Schweißen ab. Sie verlangt zwar die Lenkung spezieller Prozesse, sagt aber nicht, was dafür konkret nachzuweisen ist. Ein ISO-9001-Auditor beurteilt keine Bewertungsgruppe und keine Verfahrensprüfung. Deshalb verlangen Auftraggeber mit schweißtechnischem Risiko beides: ein Managementsystem und einen Nachweis über den Prozess selbst.
