Grundlagen

Akkreditierung: der Wert Ihres Zertifikats

Unternehmen werden zertifiziert. Zertifizierungsstellen werden akkreditiert. Labore ebenfalls. Diese Unterscheidung klingt nach Wortklauberei — sie entscheidet darüber, ob Ihr Zertifikat in einer Ausschreibung anerkannt wird.

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Laborantin führt eine Messung an einem Analysegerät durch

Die beiden Begriffe werden im Alltag beliebig gemischt, bezeichnen aber verschiedene Ebenen desselben Systems. Wer sie verwechselt, kauft mitunter das falsche Produkt.

Die Ebenen

Zertifizierung heißt: Eine unabhängige Stelle bestätigt, dass eine Organisation, ein Produkt oder eine Person definierte Anforderungen erfüllt. Ihr Unternehmen wird zertifiziert.

Akkreditierung heißt: Eine staatlich beliehene Stelle bestätigt, dass eine prüfende Stelle kompetent, unabhängig und unparteiisch arbeitet. Ihre Zertifizierungsstelle wird akkreditiert.

Daraus ergibt sich eine Kette, in der jede Ebene die darunterliegende überwacht:

EbeneWerWonachWer überwacht
1Ihr UnternehmenISO 9001, ISO 27001 …Zertifizierungsstelle
2ZertifizierungsstelleISO/IEC 17021Akkreditierungsstelle
3Akkreditierungsstelle (DAkkS)ISO/IEC 17011, EU-Verordnung 765/2008Peer Evaluation auf europäischer Ebene

In Deutschland gibt es für den geregelten Bereich genau eine nationale Akkreditierungsstelle: die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Das ist keine Marktentscheidung, sondern europäisch vorgegeben — die Verordnung (EG) Nr. 765/2008 sieht je Mitgliedstaat eine einzige nationale Akkreditierungsstelle vor.

Der wichtige Sonderfall: Labore

Prüf- und Kalibrierlaboratorien werden nicht zertifiziert, sondern akkreditiert — nach ISO/IEC 17025. Der Unterschied ist inhaltlich, nicht formal:

  • Eine Zertifizierung bestätigt ein funktionierendes Managementsystem.
  • Eine Akkreditierung nach ISO 17025 bestätigt zusätzlich die fachliche Kompetenz für konkrete Prüfverfahren, jeweils einzeln im Akkreditierungsumfang gelistet.

Ein Labor mit ISO-9001-Zertifikat hat damit keinen Kompetenznachweis für seine Messergebnisse. Auftraggeber, die Prüfberichte weiterverwenden müssen, akzeptieren das in aller Regel nicht. Dasselbe gilt für Inspektionsstellen nach ISO/IEC 17020 und für medizinische Labore nach ISO 15189.

Warum Ausschreibungen darauf bestehen

Ohne Akkreditierung prüft niemand die prüfende Stelle. Der Markt für Zertifikate ist dann ein Markt wie jeder andere — mit dem Anreiz, für weniger Geld weniger streng zu prüfen.

Die Akkreditierung unterbricht diesen Anreiz: Die Zertifizierungsstelle muss ihre Auditzeiten nach dem Regelwerk IAF MD 5 bemessen, die Trennung von Auditor und Zertifizierungsentscheider einhalten, ihre Auditoren fachlich qualifizieren und sich selbst regelmäßig begutachten lassen. Ein Auditor, der zu wenige Tage ansetzt, bringt seine Stelle in Erklärungsnot.

Genau deshalb verlangen öffentliche Auftraggeber und große Industriekunden akkreditierte Zertifikate. Nicht aus Formalismus, sondern weil sie sonst nicht wissen, was das vorgelegte Papier bedeutet.

Nicht jeder Nachweis läuft über eine Akkreditierung

Die Kette aus Zertifizierung und Akkreditierung deckt die Managementsystemnormen ab. Daneben stehen Verfahren, die anders organisiert sind — und bei denen die Frage „ist die Stelle akkreditiert?” ins Leere geht.

Bei TISAX lässt die ENX Association die Prüfdienstleister selbst zu. Es gibt kein Akkreditierungssymbol und kein Zertifikat, sondern ein Label auf einer Plattform.

Bei den Handelsstandards der Lebensmittelbranche prüfen zwar akkreditierte Stellen, die Akkreditierung bezieht sich dort aber auf die Zertifizierung von Produkten und Prozessen, nicht auf Managementsysteme — ein anderer Zweig der Normenreihe mit eigenen Regeln.

Und bei staatlich geregelten Verfahren wie der AZAV tritt neben die Akkreditierung der Stelle eine behördliche Anerkennung.

Die praktische Konsequenz: Fragen Sie nicht pauschal nach „einer Akkreditierung”, sondern danach, welche Zulassung für genau dieses Verfahren gilt. Der Nachweis heißt je nach Welt anders — und die falsche Frage führt zu einer Antwort, die nichts belegt.

Wenn die Akkreditierung Ihrer Stelle endet

Akkreditierungen können eingeschränkt, ausgesetzt oder zurückgenommen werden. Für ein zertifiziertes Unternehmen ist das kein abstraktes Risiko: Der Wert Ihres Zertifikats hängt an der Anerkennung der Stelle, die es ausgestellt hat.

Der Fall tritt selten ein, läuft dann aber mit Fristen ab, die man vorher kennen sollte. Was dabei passiert und wie sich der Übergang organisieren lässt, steht im Beitrag dazu, was passiert, wenn Ihre Zertifizierungsstelle die Akkreditierung verliert.

Für die laufende Praxis genügt eine kleine Gewohnheit: Prüfen Sie den Eintrag Ihrer Stelle nicht nur bei der Beauftragung, sondern auch vor jeder Rezertifizierung. Der Aufwand liegt bei Minuten, und im Ernstfall gewinnen Sie Monate.

Was der Akkreditierungsumfang begrenzt

Eine Stelle ist nie einfach nur akkreditiert. Der Akkreditierungsumfang listet auf, für welche Normen, Verfahren, Wirtschaftszweige und Standorte die Anerkennung gilt. Genau hier scheitert die Prüfung in der Praxis, nicht an der Frage, ob eine Akkreditierung überhaupt vorliegt.

Der typische Fall: Die Stelle ist für ISO 9001 akkreditiert, gebraucht wird ISO 27001. Oder sie ist für beide Normen akkreditiert, aber nicht für Ihren Wirtschaftszweig. Ein Zertifikat, das außerhalb dieses Umfangs ausgestellt wird, ist ein nicht akkreditiertes Zertifikat — auch wenn die Stelle das Akkreditierungssymbol führt und im Register steht.

Prüfen Sie deshalb nicht die Urkunde, sondern ihre Anlage. Dort steht der Umfang, gegliedert nach Bereichen. Zwei Minuten Lesezeit ersparen die Diskussion, die sonst der Einkauf Ihres Auftraggebers führt — nach der Zertifizierung und mit einem bereits bezahlten Zertifikat in der Hand.

Verwechslungen, die regelmäßig Geld kosten

Vier Formulierungen tauchen in Ausschreibungen und Lieferantenfragebögen immer wieder auf und sind sachlich falsch.

„DAkkS-zertifiziert“ — die DAkkS zertifiziert keine Unternehmen. Sie akkreditiert die Stellen, die zertifizieren. Ein Unternehmen kann diesen Nachweis nicht führen, egal wie oft er verlangt wird.

„Zertifiziert nach ISO/IEC 17025“ — Labore werden nach dieser Norm akkreditiert. Wer eine Zertifizierung danach anbietet oder vorlegt, verkauft etwas anderes als das Verlangte. Auftraggeber, die Prüfberichte weiterreichen, erkennen das spätestens bei der Weitergabe.

„Akkreditierter Berater“ — eine Akkreditierung für Beratungsleistungen gibt es nicht. Beratung ist von der Zertifizierung gerade zu trennen; ein Berater kann bestenfalls Erfahrung nachweisen, keine Anerkennung.

„Benannte Stelle“ als Synonym für Zertifizierungsstelle — eine benannte Stelle wird von einer Behörde für ein Produktrecht benannt, etwa für Medizinprodukte. Die Akkreditierung kann Voraussetzung dafür sein, ersetzt die Benennung aber nicht. Wer eine benannte Stelle braucht und eine akkreditierte Zertifizierungsstelle beauftragt, hat den falschen Nachweis eingekauft.

Steht eine dieser Formulierungen in Ihrer Anforderung, klären Sie sie schriftlich, bevor Sie ein Angebot einholen. Der Auftraggeber meint fast immer etwas Bestimmtes — nur selten das, was dasteht.

So prüfen Sie eine Zertifizierungsstelle

  1. Akkreditierungssymbol und Registriernummer auf Angebot und Musterzertifikat verlangen.
  2. Eintrag in der DAkkS-Datenbank nachschlagen.
  3. Den Geltungsbereich der Akkreditierung prüfen. Ist die Stelle für die Norm akkreditiert, die Sie brauchen — und für Ihren Wirtschaftszweig? Akkreditierungen sind nach Bereichen gegliedert.
  4. Bei ausländischen Stellen prüfen, ob die dortige Akkreditierungsstelle Mitglied der multilateralen Abkommen von EA oder IAF ist.

Wenn eine nicht akkreditierte Zertifizierung genügt

Es gibt Fälle, in denen der Verzicht vertretbar ist: wenn niemand ein akkreditiertes Zertifikat verlangt und es um den internen Nutzen geht — Ordnung in den Prozessen, externe Sicht von außen, Vorbereitung auf eine spätere akkreditierte Zertifizierung.

Zwei Bedingungen sollten dann erfüllt sein: Der Anbieter benennt die fehlende Akkreditierung von sich aus und transparent, und Sie haben schriftlich, dass Ihr Abnehmer das Zertifikat akzeptiert. Wer nachträglich feststellt, dass die Ausschreibung ein akkreditiertes verlangt, zahlt zweimal.

Häufige Fragen

Ist ein nicht akkreditiertes Zertifikat wertlos?

Nicht wertlos, aber eingeschränkt verwendbar. Der Prüfinhalt kann derselbe sein. Was fehlt, ist die überwachte Gleichwertigkeit: Niemand prüft die prüfende Stelle. In Ausschreibungen und Lieferantenfreigaben wird deshalb fast durchgängig ein akkreditiertes Zertifikat verlangt. Wer ein günstigeres nicht akkreditiertes Zertifikat kauft, sollte vorher schriftlich klären, ob der Abnehmer es akzeptiert.

Woran erkenne ich, ob eine Zertifizierungsstelle akkreditiert ist?

Am Akkreditierungssymbol auf dem Zertifikat mit Registriernummer und am Eintrag in der öffentlichen Datenbank der DAkkS. Prüfen Sie dabei nicht nur, ob die Stelle akkreditiert ist, sondern auch für welchen Bereich: Eine Akkreditierung für ISO 9001 deckt kein ISO-27001-Zertifikat ab.

Was ist der Unterschied zwischen Zertifizierung und Akkreditierung eines Labors?

Labore werden nach ISO/IEC 17025 akkreditiert, nicht zertifiziert. Geprüft wird nicht ein Managementsystem, sondern die fachliche Kompetenz für konkrete Prüfverfahren. Ein Labor, das eine ISO-9001-Zertifizierung vorweist, hat damit keinen Kompetenznachweis für seine Prüfergebnisse erbracht — das ist ein häufiger und teurer Irrtum.

Gilt eine Akkreditierung international?

Weitgehend ja. Über die multilateralen Abkommen von EA, IAF und ILAC erkennen die beteiligten Akkreditierungsstellen die Ergebnisse gegenseitig an. Ein von einer DAkkS-akkreditierten Stelle ausgestelltes Zertifikat wird deshalb international breit akzeptiert.

Kann eine Akkreditierung entzogen werden?

Ja. Die DAkkS überwacht die akkreditierten Stellen laufend und kann Akkreditierungen einschränken, aussetzen oder zurückziehen. Für zertifizierte Unternehmen ist das relevant: Verliert Ihre Zertifizierungsstelle die Akkreditierung, steht der Fortbestand Ihres Zertifikats zur Klärung an.

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