Glossar

Kalibrierlaboratorium

Ein Kalibrierlaboratorium ermittelt die Abweichung eines Messmittels gegenüber einem rückgeführten Normal und dokumentiert sie mit der zugehörigen Messunsicherheit im Kalibrierschein.

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Techniker in einer Energiezentrale

Ein Kalibrierlaboratorium beantwortet eine einzige Frage: Wie weit weicht dieses Messmittel von einem rückgeführten Normal ab, und wie sicher ist diese Aussage? Es arbeitet nach derselben Norm wie ein Prüflaboratorium, nämlich ISO/IEC 17025, verfolgt aber einen anderen Zweck. Das Prüflabor untersucht Proben, das Kalibrierlabor prüft Messtechnik und hält damit die Rückführungskette aufrecht, an der letztlich jedes Messergebnis hängt.

Der Kalibrierschein enthält kein Urteil

Das ist der Punkt, an dem in der Praxis am meisten schiefgeht. Ein Kalibrierschein listet Sollwerte, Istwerte, Abweichungen und die zugehörige erweiterte Messunsicherheit. Er sagt nicht „bestanden“. Ob das Gerät weiterverwendet werden darf, hängt von der Toleranz ab, die sich aus Ihrem Prozess ergibt — und die kennt nur Ihr Haus.

Der typische Fehler sieht so aus: Der Schein kommt zurück, wird abgeheftet, ein grüner Aufkleber landet auf dem Gerät. Niemand vergleicht die ausgewiesene Abweichung mit der Prozesstoleranz. Beim nächsten Audit fragt der Auditor genau danach — nach dem Bewertungsschritt zwischen Kalibrierschein und Freigabeentscheidung. Fehlt er, ist die Prüfmittelüberwachung formal vorhanden und praktisch wirkungslos.

Warum die Unsicherheit in die Toleranz hineinzählt

Wenn die Messunsicherheit der Kalibrierung im Verhältnis zur Prozesstoleranz groß ist, wird die Aussage stumpf. Ein Messschieber mit einer Unsicherheit, die einen erheblichen Teil der zulässigen Bauteiltoleranz ausmacht, taugt für diese Prüfung nicht, auch wenn der Kalibrierschein makellos aussieht. Bei der Auswahl eines Kalibrierlabors ist deshalb nicht nur der Preis relevant, sondern die kleinste angebbare Messunsicherheit im gelisteten Akkreditierungsumfang für Ihre Messgröße und Ihren Bereich.

Kalibrierintervalle sind nicht vorgeschrieben

Es gibt keine allgemeingültige Vorgabe, wie oft kalibriert werden muss. Das Intervall legt der Anwender risikobasiert fest — abhängig von Beanspruchung, Driftverhalten, Bedeutung der Messung und den Erfahrungen aus den bisherigen Kalibrierungen. Genau diese Herleitung wollen Auditoren sehen. Ein pauschales Jahresintervall ohne Begründung ist zulässig, aber schwach; ein Intervall, das nach mehreren driftfreien Kalibrierungen verlängert wurde, ist belegbar und spart Geld.

Wichtig ist der Umgang mit dem Fund: Stellt sich bei einer Kalibrierung eine unzulässige Abweichung heraus, muss rückwirkend bewertet werden, welche Ergebnisse seit der letzten Kalibrierung betroffen sind. Diese Rückwärtsbetrachtung wird häufig vergessen und ist der eigentliche Grund, warum kurze Intervalle bei kritischen Messmitteln sinnvoll sind.

Wo die Grenze zum gesetzlichen Messwesen liegt

Bei geschäftlichem Verkehr, Abrechnung oder amtlicher Überwachung greift das Eichrecht. Waagen im Verkauf, Zapfsäulen, Wärmezähler oder Abgasmessgeräte in bestimmten Anwendungen unterliegen der Eichung, nicht der Kalibrierung. Ein akkreditierter Kalibrierschein ersetzt hier nichts. Umgekehrt sagt eine gültige Eichung wenig über die Eignung eines Geräts für eine enge Fertigungstoleranz aus. Wer beides braucht, braucht auch beides.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kalibrieren, Justieren und Eichen?

Kalibrieren stellt die Abweichung fest und verändert das Gerät nicht. Justieren greift ein und verstellt das Gerät so, dass die Abweichung kleiner wird. Eichen ist ein hoheitlicher Vorgang im gesetzlichen Messwesen, zuständig sind Eichbehörden und staatlich anerkannte Prüfstellen. Ein Kalibrierlabor darf nicht eichen, und eine Kalibrierung ersetzt keine gesetzlich vorgeschriebene Eichung.

Was bedeutet Rückführung?

Die lückenlose Kette von Vergleichen, die den Messwert Ihres Geräts mit einem nationalen oder internationalen Normal verbindet, wobei jedes Glied der Kette eine dokumentierte Messunsicherheit hat. Ohne diese Kette ist ein Messwert eine Zahl ohne Bezug. Deshalb steht auf einem akkreditierten Kalibrierschein immer die Messunsicherheit — sie ist kein Zusatz, sondern Teil des Ergebnisses.

Was unterscheidet einen akkreditierten Kalibrierschein von einer Werkskalibrierung?

Die Werkskalibrierung ist eine Eigenleistung des Herstellers oder Dienstleisters ohne externe Kompetenzbestätigung für dieses Verfahren. Der akkreditierte Kalibrierschein stammt von einem nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Labor, trägt dessen Akkreditierungssymbol und ist im Rahmen der internationalen Abkommen grenzüberschreitend anerkannt. Für regulierte Bereiche und Lieferantenaudits ist dieser Unterschied entscheidend.

Steht auf dem Kalibrierschein, ob mein Gerät in Ordnung ist?

In der Regel nicht, und das überrascht viele Anwender. Der Schein nennt Messwerte, Abweichungen und Unsicherheiten. Ob das Gerät für Ihren Zweck taugt, entscheidet sich an Ihrer Toleranz, die das Labor nicht kennt. Eine Konformitätsaussage gibt es nur, wenn Sie Toleranz und Entscheidungsregel vorher beauftragt haben.

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