Glossar

Ringversuch

Ein Ringversuch ist ein Vergleich, bei dem mehrere Laboratorien dieselbe oder eine vergleichbare Probe nach festgelegten Vorgaben untersuchen und ihre Ergebnisse gemeinsam ausgewertet werden.

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Laborantin führt eine Messung an einem Analysegerät durch

Im Ringversuch untersuchen mehrere Laboratorien dieselbe Probe und schicken ihre Ergebnisse an eine auswertende Stelle. Diese vergleicht die Werte, ermittelt einen Referenzwert und meldet jedem Teilnehmer zurück, wo er im Feld steht. Für ein akkreditiertes Prüflaboratorium ist das der wichtigste externe Nachweis, dass die eigenen Ergebnisse belastbar sind — interne Kontrollen zeigen Stabilität, aber keine Richtigkeit.

Was die Auswertung tatsächlich misst

Der übliche Kennwert ist der z-Score. Er setzt die Abweichung des eigenen Ergebnisses vom Referenzwert ins Verhältnis zu einer vorab festgelegten Standardabweichung für die Bewertung. Die eingebürgerten Grenzen lauten: Betrag bis 2 zufriedenstellend, zwischen 2 und 3 fraglich, über 3 nicht zufriedenstellend.

Diese Zahlen werden oft als Zensur gelesen, und genau darin liegt der Denkfehler. Ein z-Score von 1,8 ist formal in Ordnung, in vier aufeinanderfolgenden Runden mit demselben Vorzeichen aber ein deutlicher Hinweis auf eine systematische Abweichung — etwa eine Kalibrierung, die konsequent in eine Richtung zieht. Wer nur die Ampel ansieht und nicht die Reihe, verschenkt die eigentliche Information.

Wichtig ist außerdem, woher der Referenzwert stammt. Er kann aus einem Konsens der Teilnehmer gebildet oder unabhängig festgelegt sein. Ein Konsenswert ist anfällig, wenn im Feld eine verbreitete Methode dominiert, die selbst eine systematische Abweichung trägt. In solchen Fällen kann ein methodisch besseres Labor einen schlechten z-Score bekommen. Das ist selten, aber es kommt vor und gehört dann in die Ursachenanalyse.

Wozu Ringversuche noch dienen

Nicht jeder Ringversuch bewertet Labore. Ein Vergleich kann auch durchgeführt werden, um eine Methode zu validieren und ihre Vergleichspräzision zu bestimmen, oder um einem Referenzmaterial einen belastbaren Wert zuzuordnen. Die daraus abgeleiteten Streuungskennwerte fließen später in die Abschätzung der Messunsicherheit einzelner Labore ein. Wer die beiden Zwecke verwechselt, argumentiert im Gespräch mit dem Begutachter an der Sache vorbei.

Der Teil, den Labore am häufigsten auslassen

Ein auffälliges Ergebnis auszuwerten, ist Routine: Gerät prüfen, Kalibrierung nachvollziehen, Probenvorbereitung ansehen, Rechenweg kontrollieren. Der Schritt danach wird regelmäßig übersprungen. Wenn ein Verfahren nachweislich abweichende Werte geliefert hat, stellt sich die Frage, ob auch Kundenergebnisse aus demselben Zeitraum betroffen sind — und ob Auftraggeber informiert werden müssen.

Diese Bewertung muss dokumentiert werden, auch wenn sie mit dem Ergebnis endet, dass keine Kundenergebnisse betroffen sind. Fehlt sie, ist die Korrekturmaßnahme unvollständig, und das fällt bei der nächsten Begutachtung auf. Der Aufwand ist gering, die Wirkung im Beanstandungsfall groß.

Was Auftraggeber davon haben

Wenn Sie ein Labor beauftragen, ist die Teilnahme an Eignungsprüfungen für Ihre Parameter eine der wenigen Fragen, die tatsächlich etwas über die Ergebnisqualität aussagen. Fragen Sie nicht, ob das Labor teilnimmt — das tun alle akkreditierten Labore. Fragen Sie, für welche Parameter und mit welchem Ergebnisverlauf. Labore, die ihre Auswertungen offenlegen, arbeiten in aller Regel sauber; ausweichende Antworten sind ein Signal.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ringversuch und Eignungsprüfung?

Der Zweck. Ringversuch beschreibt die Methode: mehrere Labore untersuchen dieselbe Probe. Eignungsprüfung beschreibt das Ziel: die Leistung der teilnehmenden Labore bewerten. Die meisten Ringversuche sind Eignungsprüfungen, aber nicht alle. Ringversuche dienen auch der Methodenvalidierung oder der Festlegung von Referenzwerten für ein Material — dann wird nicht das Labor bewertet, sondern das Verfahren.

Wie wird ein Ergebnis bewertet?

Meist über den z-Score, der die Abweichung des eigenen Werts vom Referenzwert ins Verhältnis zur festgelegten Standardabweichung setzt. Nach der international üblichen Auswertung gilt ein Betrag bis 2 als zufriedenstellend, zwischen 2 und 3 als fraglich und über 3 als nicht zufriedenstellend. Die Grenzen sind Konvention, keine Naturkonstante, aber sie werden von Begutachtern erwartet.

Ist ein Ringversuch bestanden oder nicht bestanden?

Diese Denkweise führt in die Irre. Ein Ringversuch ist ein Messinstrument für die eigene Leistung, keine Prüfung mit Zeugnis. Auch ein zufriedenstellender z-Score kann einen Trend verdecken, wenn die Werte über mehrere Runden hinweg systematisch in dieselbe Richtung abweichen. Diese Trendbetrachtung über mehrere Runden ist der eigentliche Erkenntnisgewinn.

Was muss nach einem auffälligen Ergebnis passieren?

Eine dokumentierte Ursachenanalyse und, falls nötig, Korrekturmaßnahmen mit Wirksamkeitsnachweis. Zusätzlich ist zu bewerten, ob zwischenzeitlich ausgelieferte Kundenergebnisse betroffen sind. Genau dieser zweite Schritt wird häufig ausgelassen und ist eine der wiederkehrenden Feststellungen bei der Begutachtung von Prüflaboratorien.

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