Glossar

Begutachter

Ein Begutachter bewertet im Auftrag der Akkreditierungsstelle, ob eine Zertifizierungsstelle, ein Labor oder eine Inspektionsstelle die Anforderungen ihrer Akkreditierungsnorm erfüllt.

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Auditorin macht Notizen bei einer Betriebsbegehung

Ein Begutachter arbeitet eine Ebene über dem Auditor. Er prüft nicht Unternehmen, sondern die Stellen, die Unternehmen prüfen — im Auftrag der Akkreditierungsstelle und gegen deren Regelwerk. In Deutschland setzt die DAkkS solche Teams ein, meist aus nebenberuflich tätigen Fachleuten mit eigener Praxiserfahrung.

Wie ein Begutachtungsteam aufgebaut ist

Ein Team besteht typischerweise aus einem leitenden Begutachter und einem oder mehreren Fachbegutachtern. Der leitende Begutachter verantwortet Systematik und Ablauf: Verfahren, Unparteilichkeit, Beschwerdemanagement, Personalqualifikation, Entscheidungswege. Die Fachbegutachter bringen die technische Tiefe für das jeweilige Gebiet mit, etwa für ein Prüfverfahren oder für eine Branche.

Begutachtet wird nicht nur am Schreibtisch. Zur Bewertung gehören Aufzeichnungen aus dem laufenden Betrieb — Auditberichte, Zeitberechnungen, Abweichungsbearbeitungen, Entscheidungen des Zertifizierungsentscheiders. Wer wissen will, wie ernst eine Zertifizierungsstelle ihre eigenen Regeln nimmt, findet die Antwort in diesen Unterlagen, nicht in ihrem Verfahrenshandbuch.

Zeugenbegutachtung: der Auditor wird beobachtet

Papier reicht nicht. Deshalb begleitet der Begutachter ein echtes Audit bei einem Kunden der Stelle — die Zeugenbegutachtung. Sie ist der wirksamste Teil des Verfahrens, weil sich dort zeigt, ob die Stelle so arbeitet, wie sie es beschreibt.

Für das zertifizierte Unternehmen sieht das ungewohnt aus: Neben dem Auditor sitzt eine zweite Person, die zuhört, mitschreibt und kaum Fragen stellt. Diese Person bewertet nicht Sie. Findet sie etwas, betrifft es Ihren Auditor, nicht Ihr Managementsystem. Sie können der Teilnahme widersprechen; die Anfrage kommt vorher und ist eine Bitte, keine Auflage.

Was Begutachter regelmäßig beanstanden

Wiederkehrende Themen sind zu knapp bemessene Auditzeiten, Auditoren ohne belegte Fachkunde für den zertifizierten Sektor, oberflächlich geschlossene Abweichungen und Zertifikate, die über den Akkreditierungsumfang hinausgehen. Hinzu kommt die Nähe zwischen Beratung und Zertifizierung, die im Regelwerk klar getrennt ist und in der Praxis immer wieder verschwimmt.

Die Folgen treffen zunächst die Stelle, nicht deren Kunden: Feststellungen aus einer Begutachtung führen zu Korrekturmaßnahmen, bei schwerwiegenden Mängeln zur Einschränkung oder Aussetzung der Akkreditierung. Erst dann wird es für zertifizierte Unternehmen unmittelbar relevant, weil ihre Zertifikate im betroffenen Bereich zur Klärung anstehen.

Warum Sie das interessieren sollte

Die Begutachtung erklärt, warum Ihre Zertifizierungsstelle an bestimmten Punkten unnachgiebig ist. Der Auditor, der auf einer bestimmten Audittagezahl besteht oder eine Abweichung nicht ohne Wirksamkeitsnachweis schließt, verhält sich nicht formalistisch — er weiß, dass genau dieser Vorgang später auf dem Tisch eines Begutachters landen kann. Wer das versteht, verhandelt an anderen Stellen: bei Terminlage, Auditortauglichkeit und Kombination mehrerer Normen in einem Termin. Bei den formalen Anforderungen ist der Spielraum gering, und das aus gutem Grund — nachzulesen unter Akkreditierung.

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine Begutachtung von einem Audit?

Die Ebene und der Maßstab. Ein Auditor prüft ein Unternehmen gegen eine Managementsystemnorm. Ein Begutachter prüft die prüfende Stelle gegen ihre Akkreditierungsnorm, etwa ISO/IEC 17021 für Zertifizierungsstellen oder ISO/IEC 17025 für Labore. Der Begutachter bewertet also auch die Qualität der Auditarbeit selbst — bis hin zu einzelnen Auditberichten und ihren Zeitansätzen.

Was ist eine Zeugenbegutachtung?

Der Begutachter begleitet ein reales Audit oder eine reale Prüfung und beobachtet, wie die Stelle tatsächlich arbeitet. Für Sie als zertifiziertes Unternehmen heißt das: Beim Audit sitzt eine zusätzliche Person mit, die nicht Sie bewertet, sondern Ihren Auditor. Ihre Zustimmung wird vorher eingeholt.

Muss ich einer Zeugenbegutachtung im eigenen Haus zustimmen?

Nein, die Teilnahme ist freiwillig und wird angefragt, nicht angeordnet. Eine Absage ist unproblematisch, bringt Ihre Zertifizierungsstelle aber in Terminnot, weil sie Zeugenbegutachtungen in bestimmten Bereichen nachweisen muss, um den Geltungsbereich zu halten. Wer flexibel ist, sammelt hier Kulanz für spätere Terminwünsche.

Wer wird Begutachter?

Fachleute mit langjähriger Praxis im jeweiligen Bereich, meist nebenberuflich für die Akkreditierungsstelle tätig und dafür geschult, freigegeben und selbst überwacht. Ein Team besteht in der Regel aus einem leitenden Begutachter für die Systematik und mindestens einem Fachbegutachter für das jeweilige Fachgebiet. Wer eine Stelle in einem Bereich begutachtet, in dem er selbst wirtschaftlich tätig ist, muss den Konflikt offenlegen und wird in diesem Fall nicht eingesetzt.

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