Die Peer Evaluation beantwortet die Frage, die in der Kette der Nachweise ganz oben steht: Wer prüft eigentlich die Akkreditierungsstelle? Die Antwort lautet, dass sich die nationalen Akkreditierungsstellen gegenseitig begutachten. Fachleute aus anderen Ländern kommen ins Haus, sehen Verfahren, Personalentscheidungen und abgeschlossene Akkreditierungsvorgänge durch und bewerten, ob die Stelle nach denselben Regeln arbeitet wie ihre Partner.
Warum es keine Aufsichtsbehörde über der Akkreditierung gibt
Akkreditierung ist national organisiert, ihre Wirkung soll aber grenzüberschreitend sein. Ein deutscher Prüfbericht soll in Spanien gelten, ein italienisches Zertifikat in Deutschland. Eine Weltbehörde, die das anordnen könnte, existiert nicht. Stattdessen haben sich die nationalen Stellen in Abkommen zusammengeschlossen und akzeptieren gegenseitig ihre Ergebnisse. Der Preis dafür ist, dass jeder Unterzeichner sich regelmäßig von den anderen in die Bücher schauen lässt.
Für Deutschland ist die DAkkS die Stelle, die sich diesem Verfahren stellt. Sie ist in dieser Sache nicht Prüfer, sondern Geprüfter — ein Rollenwechsel, den viele Unternehmen nicht auf dem Schirm haben.
Was ein Peer-Team tatsächlich ansieht
Geprüft wird gegen ISO/IEC 17011, die Norm für Akkreditierungsstellen. Das Team betrachtet die Organisation, die Unparteilichkeit, die Qualifikation und Überwachung der eingesetzten Begutachter, die Entscheidungswege und den Umgang mit Beschwerden. Entscheidend sind aber nicht die Verfahrensbeschreibungen, sondern die Akten: abgeschlossene Akkreditierungsverfahren, Feststellungen und deren Erledigung, Entscheidungen über Einschränkungen.
Dazu kommen Zeugenbegutachtungen auf einer Ebene, die kaum jemand zu sehen bekommt. Das Peer-Team begleitet ein Begutachtungsteam der geprüften Akkreditierungsstelle bei einem echten Einsatz in einer Zertifizierungsstelle oder einem Labor. Beobachtet wird dabei nicht die begutachtete Stelle, sondern die Arbeitsweise der Begutachter.
Der Zusammenhang mit der Gültigkeit Ihres Zertifikats
Die Peer Evaluation ist die Bedingung für den Status im multilateralen Abkommen. Der Status wird nicht pauschal vergeben, sondern für einzelne Bereiche: Managementsystemzertifizierung, Produktzertifizierung, Prüflaboratorien, Kalibrierlaboratorien, Inspektion. Eine Akkreditierungsstelle kann für einen Bereich Unterzeichner sein und für einen anderen nicht.
Daraus folgt der praktisch wichtigste Punkt. Wenn Ihnen ein Lieferant ein Zertifikat aus einem Land vorlegt, das für diesen Bereich nicht im Abkommen steht, ist das Papier formal in Ordnung und international trotzdem nichts wert. Die Frage lautet nie nur „Ist die Stelle akkreditiert?“, sondern „Ist die Akkreditierungsstelle für diesen Bereich Unterzeichner?“. Wie sich die Akkreditierung einer einzelnen Zertifizierungsstelle prüfen lässt, beschreibt der Beitrag wie Sie prüfen, ob eine Zertifizierungsstelle akkreditiert ist.
Was in der Praxis übersehen wird
Zwei Verwechslungen tauchen immer wieder auf. Die erste: Peer Evaluation wird mit dem kollegialen Fachaustausch verwechselt, den manche Branchen so nennen. Gemeint ist hier ein formales Verfahren mit Feststellungen, Fristen und Konsequenzen. Die zweite: Der Status wird als dauerhaft angenommen. Er ist zeitlich befristet und muss in wiederkehrenden Zyklen erneut bestätigt werden, mit Zwischenüberwachung dazwischen.
Für Sie als Zertifikatsinhaber bleibt daraus eine schlichte Konsequenz. Der Wert eines Zertifikats hängt an einer Kette, die vom Auditor über die Zertifizierungsstelle und die Akkreditierungsstelle bis zum internationalen Abkommen reicht. Reißt sie oben, merken Sie es unten — beim Kunden. Die Systematik dahinter steht unter Akkreditierung.
