Glossar

Multilaterales Abkommen

Ein multilaterales Abkommen ist die Vereinbarung nationaler Akkreditierungsstellen, die Akkreditierungen der anderen Unterzeichner als gleichwertig anzuerkennen, sodass Zertifikate und Prüfberichte grenzüberschreitend gelten.

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Lieferant und Kunde besprechen geforderte Nachweise

Das multilaterale Abkommen ist der Grund, warum ein Zertifikat einer deutschen Zertifizierungsstelle bei einem Abnehmer in Brasilien oder Japan überhaupt zählt. Die nationalen Akkreditierungsstellen erkennen darin gegenseitig an, dass ihre Akkreditierungen gleichwertig sind. Das Ziel ist in der Fachwelt als Formel bekannt: einmal geprüft, überall akzeptiert.

Drei Ebenen, ein Prinzip

Regional schließen die europäischen Akkreditierungsstellen ihr Abkommen in der European co-operation for Accreditation. Weltweit sammelt das International Accreditation Forum die Bereiche Managementsystem-, Produkt- und Personenzertifizierung ein, die International Laboratory Accreditation Cooperation die Bereiche Prüfung, Kalibrierung und Inspektion. Die regionalen Abkommen sind an die weltweiten angekoppelt, sodass ein europäischer Unterzeichnerstatus in der Regel die internationale Anerkennung mitbringt.

Eintritt und Verbleib hängen an der Peer Evaluation. Wer die gegenseitige Begutachtung nicht besteht, verliert den Status für den betroffenen Bereich. Das Abkommen ist also kein Beitritt, sondern eine Mitgliedschaft mit laufender Prüfung.

Der Geltungsbereich ist der entscheidende Punkt

Die praktisch teuerste Fehlannahme lautet: Akkreditierung ist Akkreditierung, und alles Akkreditierte gilt überall. Tatsächlich wird der Status pro Bereich vergeben. Ein Land kann für Qualitätsmanagement im Abkommen sein und für Informationssicherheit nicht, weil es die entsprechende Begutachtungskompetenz noch nicht nachgewiesen hat. Neue Normen wandern erst nach und nach in den Geltungsbereich, weil die Dachorganisationen dafür eigene Verfahren durchlaufen.

Wenn Sie also ein Lieferantenzertifikat prüfen, brauchen Sie drei Angaben: die Akkreditierungsstelle, deren Registriernummer für die ausstellende Stelle und den Bereich, für den das Abkommen gilt. Erst diese Kombination trägt. Wie der Umfang einer einzelnen Stelle aufgebaut ist, steht unter Akkreditierungsumfang.

Wo die Grenze zu unseriösen Anbietern verläuft

Es existieren Organisationen, die sich Akkreditierungsstelle nennen, ohne in einem der Abkommen zu sein. Sie akkreditieren Zertifizierungsstellen, die ihrerseits Zertifikate ausstellen, die formal alle Merkmale eines echten Zertifikats tragen — Logo, Nummer, Laufzeit. In einer Ausschreibung mit ernsthafter Nachweisprüfung fallen solche Papiere durch, sobald jemand den Namen der Akkreditierungsstelle in der Unterzeichnerliste sucht und nicht findet. Der Beitrag warum akkreditierte Zertifikate in Ausschreibungen verlangt werden beschreibt, wie Einkäufer das prüfen.

Was das Abkommen nicht leistet

Es macht Akkreditierungen gleichwertig, nicht Anforderungen. Nationale Gesetze bleiben unberührt: Ein Medizinprodukt braucht in Europa eine Benannte Stelle, ganz gleich, welche Akkreditierung ein ausländisches Prüfhaus vorweist. Auch Branchenprogramme mit eigenen Regeln — etwa im Automobilbereich — verlangen zusätzlich zur Akkreditierung eine Anerkennung durch den Programmträger.

Und es ersetzt keine inhaltliche Prüfung. Ein anerkanntes Zertifikat sagt, dass das Verfahren stimmte. Ob der Geltungsbereich zu dem passt, was Sie einkaufen, steht auf einem anderen Blatt — nämlich auf dem Zertifikat selbst, im Feld Geltungsbereich. Das lesen erfahrene Einkäufer zuerst, noch vor dem Logo.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MLA und MRA?

Die Begriffe bezeichnen dasselbe Prinzip in unterschiedlichen Organisationen. Das International Accreditation Forum führt sein Abkommen für Zertifizierungs- und Inspektionsstellen als Multilateral Recognition Arrangement, die International Laboratory Accreditation Cooperation ihres für Labore und Inspektionsstellen als Mutual Recognition Arrangement. In Europa spricht die European co-operation for Accreditation vom Multilateral Agreement. Wer beide Buchstabenfolgen in einem Dokument sieht, hat es meist nicht mit zwei Systemen zu tun, sondern mit zwei Ebenen desselben.

Gilt das Abkommen automatisch für jede Norm?

Nein, und das ist der häufigste Irrtum. Der Unterzeichnerstatus wird für einzelne Geltungsbereiche vergeben, etwa Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Informationssicherheit, Arbeitsschutz, Produktzertifizierung, Prüf- oder Kalibrierlaboratorien. Eine Akkreditierungsstelle kann für einen Bereich im Abkommen sein und für einen anderen nicht. Prüfen Sie den Bereich, nicht nur das Land.

Woran erkenne ich einen Unterzeichner?

An den öffentlichen Listen der Dachorganisationen und an der Kennzeichnung auf dem Zertifikat. Akkreditierungsstellen, die Unterzeichner sind, dürfen ihr Akkreditierungssymbol mit dem Zusatzzeichen der jeweiligen Dachorganisation kombinieren. Fehlt dieses Zusatzzeichen, heißt das nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt, ist aber ein Anlass, in der Liste nachzusehen.

Was mache ich mit einem Zertifikat von einer Stelle außerhalb des Abkommens?

Behandeln Sie es wie ein nicht akkreditiertes Zertifikat: als Selbstauskunft mit externer Beteiligung, nicht als anerkannten Nachweis. Wenn Ihr Kunde einen anerkannten Nachweis verlangt, hilft nur ein Zertifikat einer Stelle, deren Akkreditierung vom Abkommen gedeckt ist. Eine nachträgliche Anerkennung gibt es nicht.

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