Audit

Wie Sie Auditoren auf mehrere Normen bündeln

Die Ersparnis liegt nicht dort, wo die meisten sie vermuten. Und der Weg dorthin führt über eine unbequeme Vorarbeit: Sie müssen zuerst die Zertifikatszyklen angleichen.

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Fertigung von Stahlbauteilen in einer Werkhalle

Sie bündeln Audits, indem Sie alle betroffenen Normen bei einer Zertifizierungsstelle führen, die Zertifikatszyklen auf einen gemeinsamen Termin bringen und ein kombiniertes Audit beauftragen. Die Zertifizierungsstelle setzt dann ein Team ein, das alle Normen abdeckt, und rechnet die Auditzeit gemeinsam. Der schwierige Teil ist nicht die Bündelung selbst, sondern der Weg dorthin: Zertifikate, die zu verschiedenen Zeitpunkten ausgestellt wurden, laufen zu verschiedenen Zeitpunkten aus.

Was Sie tatsächlich bündeln

Drei Dinge lassen sich zusammenlegen, und sie sind unabhängig voneinander:

Den Termin. Zwei Normen werden in derselben Woche geprüft. Das spart Vorbereitung, Anreisekosten und die Belastung der Fachbereiche, die sonst zweimal im Jahr aus dem Tagesgeschäft genommen werden.

Das Team. Dieselben Personen prüfen beide Normen. Das spart Auditzeit, weil Betriebsrundgang, Werksführung, Eröffnungs- und Abschlussgespräch nur einmal stattfinden.

Das System. Sie führen ein Managementsystem, das mehrere Normanforderungen gemeinsam erfüllt. Das ist die einzige Bündelung, die dauerhaft Aufwand senkt — auch außerhalb des Audits.

Die ersten beiden bekommen Sie mit einer Terminabsprache. Die dritte ist ein Projekt von mehreren Monaten und der eigentliche Hebel.

Warum das Zusammenlegen an den Laufzeiten scheitert

Ein Managementsystemzertifikat läuft üblicherweise drei Jahre, mit Überwachungsaudits dazwischen. Wenn Sie ISO 9001 im März zertifiziert haben und ISO 14001 zwei Jahre später im Oktober, liegen die Rezertifizierungen dauerhaft sieben Monate auseinander. Das lässt sich nicht durch Absprache heilen, sondern nur durch einen bewussten Eingriff:

  1. Das kürzere Zertifikat verkürzen. Sie ziehen die Rezertifizierung einer Norm vor, sodass sie mit der anderen zusammenfällt. Der neue Zyklus beginnt dann gemeinsam. Kostet ein vorgezogenes Audit, löst das Problem aber endgültig.
  2. Über den Überwachungstermin annähern. Überwachungsaudits haben ein Zeitfenster, das sich in Grenzen verschieben lässt. Damit kommen Sie näher zusammen, aber der Ablauftermin der Zertifikate bleibt, wo er ist.
  3. Beim Stellenwechsel angleichen. Wenn Sie ohnehin die Stelle wechseln, ist der Übertrag der geeignete Moment, die Zyklen zu synchronisieren. Was dabei zu beachten ist, steht im Beitrag zum Wechsel der Zertifizierungsstelle und im Glossareintrag zum Transfer eines Zertifikats.

Der zweite Weg wird am häufigsten gewählt und führt am seltensten zum Ziel. Wer nur die Überwachungsaudits zusammenlegt, hat die Reisekosten gespart und weiterhin zwei Rezertifizierungen im Kalender.

Der Punkt, an dem die Rechnung entschieden wird

Die Auditzeit wird nicht frei verhandelt. Akkreditierte Zertifizierungsstellen berechnen sie nach verbindlichen Regeln, in die Beschäftigtenzahl, Standorte, Schichtbetrieb, Prozesskomplexität und Risiko eingehen. Für kombinierte Audits gibt es eine Reduktionsmöglichkeit — aber sie greift nur, soweit Elemente tatsächlich gemeinsam vorliegen.

Prüfbar ist das an einer kurzen Liste. Für jedes dieser Elemente gilt: gemeinsam vorhanden oder nicht.

ElementGetrennt geführtIntegriert
Politik und Zielezwei Dokumente, zwei Zielsystemeein Dokument, ein Zielsystem
Prozesslandschaftzwei Landkarteneine Landkarte mit Normbezügen
Internes Auditzwei Programme, zwei Berichteein Programm, ein Bericht
Managementbewertungzwei Sitzungeneine Sitzung mit allen Eingaben
Korrektur- und Vorbeugemaßnahmenzwei Systemeein System
Dokumentenlenkungzwei Regelungeneine Regelung
Schulung und Kompetenzzwei Matrizeneine Matrix

Wer in der linken Spalte steht und ein kombiniertes Audit bestellt, bekommt einen gemeinsamen Termin und wenig Zeitreduktion. Wer in der rechten Spalte steht, bekommt beides. Die Vorarbeit lohnt sich vor allem deshalb, weil sie den Aufwand nicht nur im Audit senkt: Eine Managementbewertung statt drei ist das ganze Jahr über eine Entlastung.

Die Voraussetzung, die vor allem anderen kommt

Bevor Sie über Termine reden, prüfen Sie den Akkreditierungsumfang Ihrer Zertifizierungsstelle. Eine Stelle, die für ISO 9001 in Ihrem Sektor akkreditiert ist, ist damit nicht automatisch für ISO 45001 oder ISO 50001 in demselben Sektor akkreditiert. Bündeln lässt sich nur, was eine Stelle auch ausstellen darf.

Das ist der Punkt, an dem Bündelungspläne in der Praxis auffliegen — meist spät, weil die Stelle im Angebot alle Normen aufführt und die Sektorabdeckung erst bei der Auditplanung geprüft wird. Der Verzeichniseintrag der Akkreditierungsstelle ist in fünf Minuten geprüft; wie das geht, beschreibt der Beitrag prüfen, ob eine Zertifizierungsstelle akkreditiert ist.

Zweite Voraussetzung: Normen mit eigenen Regelwerken lassen sich nur begrenzt einbinden. Branchenstandards mit eigenen Vorgaben zu Auditablauf, Auditorenqualifikation und Berichtsformat — etwa im Automotive- oder Lebensmittelbereich — bringen ihre eigenen Regeln mit. Sie können sie oft terminlich anschließen, aber nicht in dieselbe Auditzeit einrechnen. Wer das plant, sollte es früh mit der Stelle klären, statt es im Auditplan zu entdecken.

Was Sie im Angebot nachrechnen sollten

Fordern Sie die Auditzeit getrennt an: Zeit für Norm A allein, Zeit für Norm B allein, Zeit für das kombinierte Audit. Erst diese drei Zahlen zeigen, ob die Reduktion real ist. Angebote, die nur eine Gesamtsumme nennen, verdecken den Unterschied zwischen einem Termin und einem gebündelten Audit.

Achten Sie außerdem auf die Zahl der Auditoren. Zwei Auditoren an zwei Tagen sind vier Audittage, auch wenn im Kalender nur zwei Tage stehen. Das ist keine Unredlichkeit, sondern die normale Rechnung — aber es überrascht regelmäßig, wenn die Erwartung „ein Termin, also die Hälfte“ war.

Was die Bündelung intern verändert

Ein gebündeltes Audit verdichtet den Aufwand, es beseitigt ihn nicht. Statt zweimal zwei Tage haben Sie einmal drei oder vier Tage, in denen dieselben Führungskräfte gebraucht werden. Das ist organisatorisch anspruchsvoller, nicht einfacher: Der Auditplan legt Zeitfenster auf einzelne Bereiche, und wenn der Produktionsleiter am Dienstagvormittag für die eine Norm und am Dienstagnachmittag für die andere eingeplant ist, fällt sein Tag komplett aus.

Prüfen Sie den Auditplan deshalb nicht nur auf Namen, sondern auf Personenbindung. Fordern Sie Verschiebungen an, solange der Plan noch Entwurf ist. Zertifizierungsstellen reagieren darauf in aller Regel entgegenkommend, weil ein Plan, an dem die Ansprechpartner fehlen, auch für das Auditteam Leerlauf bedeutet.

Der zweite Effekt betrifft die Vorbereitung. Wer zwei Audits im Jahr hat, bereitet zweimal vor und hat dazwischen eine Erholungsphase. Wer eines hat, muss die gesamte Nachweislage zu einem Stichtag vollständig haben. Das ist der Grund, warum Bündelung bei Betrieben mit schwacher Dokumentationsdisziplin zunächst zu mehr Feststellungen führt, nicht zu weniger.

Der häufigste Fehler

Der häufigste Fehler ist, die Integration im Papier zu vollziehen und nicht im Betrieb. Ein zusammengeklebtes Handbuch, in dem beide Normen abgehandelt werden, während intern weiter zwei Beauftragte zwei getrennte Auditprogramme fahren, erzeugt genau eine Wirkung: Der Auditor prüft beides und findet die Nahtstellen. Besonders häufig fällt die Managementbewertung auf — sie ist im integrierten Handbuch als gemeinsame Sitzung beschrieben, im Protokoll aber steht nur die Qualitätsseite, ohne Eingaben zu Umwelt- oder Arbeitsschutzleistung.

Wer die Integration wirklich will, beginnt deshalb nicht beim Handbuch, sondern bei den vier Prozessen, die alle Normen gemeinsam haben: internes Audit, Managementbewertung, Korrekturmaßnahmen, Dokumentenlenkung. Sind die zusammengeführt und ein Jahr lang gelaufen, ist das kombinierte Audit eine Formalie.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem kombinierten und einem integrierten Audit?

Beim kombinierten Audit werden zwei oder mehr Normen im selben Zeitraum von demselben Team geprüft, das Managementsystem bleibt aber getrennt beschrieben. Beim integrierten Audit ist auch das System integriert: gemeinsame Politik, gemeinsame Prozesslandschaft, gemeinsame interne Audits und Managementbewertung. Nur der zweite Fall führt zu einer nennenswerten Kürzung der Auditzeit, weil dann die gemeinsamen Elemente wirklich nur einmal geprüft werden.

Wie viel Auditzeit spare ich?

Das hängt vom Integrationsgrad ab, nicht von der Zahl der Normen. Die Auditzeit für die zweite und dritte Norm wird gegenüber einem Einzelaudit reduziert, aber nie auf null: Die normspezifischen Anforderungen müssen einzeln geprüft werden. Belastbare Zahlen liefert nur das Angebot Ihrer Zertifizierungsstelle, weil sie die Berechnung nach den Regeln ihrer Akkreditierung führt und dabei Standorte, Schichten, Prozesse und Beschäftigtenzahl einbezieht.

Kann ein Auditor alle Normen allein prüfen?

Nur wenn er für jede einzelne Norm und für Ihren technischen Sektor qualifiziert ist. Diese Kombination ist selten. In der Praxis kommt häufig ein Team: ein Auditleiter mit breiter Qualifikation und ein Fachauditor für die spezielle Norm. Für Sie ändert das nichts an der Bündelung, aber es erklärt, warum aus einem Termin nicht automatisch eine Person wird.

Was passiert, wenn eine Norm im gebündelten Audit durchfällt?

Die Abweichung wirkt zunächst nur auf das betroffene Zertifikat. Problematisch wird es, wenn die Abweichung ein gemeinsames Element betrifft — Managementbewertung, internes Audit, Dokumentenlenkung, Korrekturmaßnahmen. Dann trifft sie alle Systeme gleichzeitig, weil es dieselbe Regelung ist. Genau das ist der Preis der Integration und der Grund, warum diese gemeinsamen Prozesse besonders sauber laufen müssen.

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