Kundenspezifische Anforderungen sind zusätzliche Vorgaben einzelner Automobilhersteller, die neben der Norm gelten. Sie ergänzen oder präzisieren die IATF 16949, gelten vertraglich und werden im Zertifizierungsaudit mitgeprüft. Bei Erstzertifizierungen sind sie der häufigste Grund für Abweichungen — nicht weil die Anforderungen schwer wären, sondern weil sie übersehen werden.
Drei Begriffe, die auseinandergehalten werden müssen
Die Norm unterscheidet zwischen Kundenanforderungen, kundenspezifischen Anforderungen und kundenspezifischen Auslegungen. Kundenanforderungen sind alles, was der Kunde fordert: Zeichnungen, Spezifikationen, Liefer- und Verpackungsvorschriften. Kundenspezifische Anforderungen sind der Teil davon, der die Norm ergänzt und sich deren Kapiteln zuordnen lässt. Auslegungen legen fest, wie eine Normforderung beim jeweiligen Hersteller zu verstehen ist.
Der praktische Nutzen dieser Unterscheidung ist der Nachweis. Ein Auditor will sehen, dass Sie jede einzelne Zusatzforderung einem Normkapitel und einem eigenen Prozess zugeordnet haben. Eine gepflegte Zuordnungsmatrix erledigt dieses Gespräch in Minuten. Ohne sie wird jede Forderung einzeln durchgegangen.
Der Umfang wird unterschätzt
Die Kataloge betreffen Kennzeichnung, Etiketten und Barcodes, Verpackung, Datenübermittlung, Notfallpläne, Auditrechte des Kunden, Meldewege bei Abweichungen, Anforderungen an Vorlieferanten sowie das jeweils geforderte Bemusterungsverfahren. Bei einzelnen Herstellern ist das Material umfangreicher als die Norm selbst.
Für Zulieferer mit mehreren Herstellerkunden addiert sich das nicht nur, es widerspricht sich gelegentlich. Ein Hersteller verlangt PPAP, der nächste die Bemusterung nach VDA 2. Ein Prozess, der beides kann, ist aufwendiger als zwei getrennte — aber der einzige Weg, der sich mit vertretbarem Aufwand aktuell halten lässt.
Wo die Aktualisierung reißt
Die Kataloge liegen in den Lieferantenportalen der Hersteller. Der Zugang hängt an benannten Personen. Wechselt der Ansprechpartner im Vertrieb oder in der Qualitätssicherung, endet oft unbemerkt auch der Bezug der Aktualisierungen. Das ist ein trivialer Vorgang mit erheblicher Wirkung: Sie arbeiten weiter nach einem Stand, den der Kunde längst ersetzt hat.
Wirksam dagegen ist eine benannte Zuständigkeit mit Vertretung, ein fester Prüftakt und ein dokumentierter Bewertungsvermerk je neuer Fassung. Der Vermerk muss keine Abhandlung sein. Er muss belegen, dass Sie die Änderung gesehen, bewertet und entschieden haben.
Die Konsequenz trifft nicht nur das Audit
Verstöße gegen kundenspezifische Anforderungen wirken zuerst beim Kunden. Falsche Etiketten, verspätete Meldungen oder eine nicht eingehaltene Reaktionsfrist führen zu Belastungsanzeigen und können eine Eskalationsstufe auslösen. Das ist der teurere Weg, es zu bemerken.
Wer in der Automobilindustrie liefert, sollte die Sichtung der Kundenvorgaben deshalb wie einen Rechtskataster behandeln: mit Verantwortlichem, Termin und Nachweis. Die Core Tools sind die Methodenseite, die Kundenkataloge sind die Vertragsseite. Beide werden im selben Audit geprüft.
