Glossar

PPAP

PPAP ist der Produktionsteil-Freigabeprozess der Automobilindustrie, mit dem ein Lieferant vor der ersten Serienlieferung nachweist, dass sein Serienprozess die Kundenanforderungen dauerhaft erfüllt.

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Serienfertigung von Bauteilen in einer Werkhalle

PPAP steht für Production Part Approval Process und ist der Freigabeprozess, mit dem ein Lieferant vor der ersten Serienlieferung nachweist, dass sein Serienprozess die Anforderungen des Kunden dauerhaft erfüllt. Das Verfahren stammt aus dem AIAG-Umfeld und gehört zu den Core Tools. Ohne freigegebenen PPAP darf nicht in Serie geliefert werden.

Geprüft wird der Prozess, nicht das Muster

Der Kern des Verfahrens wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, einige gute Teile zu liefern, sondern zu belegen, dass der Serienprozess solche Teile reproduzierbar erzeugt. Deshalb müssen die vorgelegten Teile aus einem aussagefähigen Serienlauf stammen: Serienwerkzeug, Serienanlage, Serienpersonal, Serientaktrate. Als Richtwert nennen die Handbücher einen Lauf von ein bis acht Stunden mit mindestens 300 aufeinanderfolgenden Teilen, wenn der Kunde nichts anderes vorgibt.

Der häufigste Fehler in diesem Punkt ist die Bemusterung aus dem Vorserienwerkzeug, weil das Serienwerkzeug noch nicht steht. Das fällt spätestens dann auf, wenn die Fähigkeitskennwerte aus der Vorlage später in der Serie nicht mehr erreicht werden.

Der Umfang ist größer als die Vorlage

Die Vorlage besteht aus einer festen Liste von Nachweisen: Zeichnungen und Änderungsstände, Prozessfließbild, FMEA, Control Plan, Maßbericht, Werkstoff- und Funktionsprüfungen, Nachweise zur Messsystemanalyse und zur Prozessfähigkeit, Freigabe von Vorlieferanten, Musterteile und Referenzmuster.

Die Vorlagestufe regelt lediglich, wie viel davon der Kunde tatsächlich sehen will. Erstellen und aufbewahren müssen Sie alles. Wer auf einer niedrigen Vorlagestufe nur das Deckblatt einreicht und die übrigen Unterlagen gar nicht erst erzeugt, hat kein reduziertes Verfahren, sondern eine Abweichung — die im Audit nach IATF 16949 sofort sichtbar wird.

Die Freigabe kennt drei Ergebnisse

Der Kunde entscheidet über vollständige Freigabe, eingeschränkte Freigabe oder Ablehnung. Die eingeschränkte Freigabe ist der praktisch riskanteste Fall: Sie ist nach Menge oder Datum begrenzt und läuft aus. Wer weiterliefert, ohne den vollständigen PPAP nachgereicht zu haben, liefert formal ohne Freigabe. Das ist ein klassischer Auslöser für eine Eskalationsstufe und lässt sich nicht nachträglich durch eine Sonderfreigabe heilen.

Änderungen lösen den Prozess erneut aus

Die Meldepflicht bei Änderungen ist die Fristfalle des Verfahrens. Neues oder überholtes Werkzeug, eine verlagerte Fertigungslinie, ein gewechselter Vorlieferant, ein anderer Werkstoff oder eine längere Fertigungsunterbrechung machen eine erneute Vorlage erforderlich. Die Meldung gehört vor die Änderung, nicht in den Lieferschein danach.

In der Praxis reißt diese Kette meist beim Vorlieferanten. Der wechselt seinerseits einen Rohstoff oder eine Beschichtung, meldet es nicht weiter, und Sie liefern mit einem Änderungsstand, den Sie selbst nicht kennen. Die Anforderung, den Prozess bis in die eigene Lieferkette durchzureichen, ist deshalb kein Formalismus. Wie das Verfahren im deutschen Raum heißt und wo es abweicht, beschreibt der Eintrag zur Bemusterung; der Zeitplan dahinter kommt aus APQP.

Häufige Fragen

Wie viele Teile verlangt ein PPAP?

Die Teile müssen aus einem aussagefähigen Serienlauf stammen. Als Richtwert nennen die Referenzhandbücher einen Lauf von ein bis acht Stunden mit mindestens 300 aufeinanderfolgenden Teilen, sofern der Kunde nichts anderes festlegt. Entscheidend ist nicht die Menge allein, sondern dass Werkzeug, Prozess, Personal und Taktrate dem späteren Serienzustand entsprechen.

Was ist der Part Submission Warrant?

Das Deckblatt der Vorlage. Darauf bestätigen Sie verbindlich, dass die vorgelegten Teile aus dem Serienprozess stammen und alle Anforderungen erfüllt sind. Der Kunde entscheidet auf dieser Grundlage über Freigabe, eingeschränkte Freigabe oder Ablehnung. Es ist eine Erklärung mit Gewicht, kein Formblatt für die Sachbearbeitung.

Was bedeuten die Vorlagestufen?

Sie regeln, wie viel Sie tatsächlich einreichen. Auf der niedrigsten Stufe genügt das Deckblatt, auf der höchsten prüft der Kunde die vollständigen Unterlagen bei Ihnen vor Ort. Üblicher Standard ist die Stufe mit Deckblatt, Mustern und vollständigen Nachweisen. Die übrigen Unterlagen müssen Sie unabhängig davon erstellen und aufbewahren.

Wann muss ich erneut bemustern?

Bei jeder Änderung, die den Prozess oder das Produkt berührt: neues oder überholtes Werkzeug, verlagerte Fertigung, geänderter Vorlieferant, geänderter Werkstoff, längere Fertigungsunterbrechung. Die Meldepflicht liegt bei Ihnen und beginnt vor der Änderung, nicht nach der ersten Lieferung.

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