Eine Eskalationsstufe ist eine Sondermaßnahme, die ein Automobilhersteller gegen einen Lieferanten verhängt, wenn Qualitäts- oder Lieferprobleme nicht abgestellt werden. Die Stufen reichen von verschärfter Prüfung über eine vom Kunden beauftragte dritte Partei bis zur Sperre für neue Aufträge. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je Hersteller, die Logik ist überall dieselbe.
Nicht der Fehler eskaliert, sondern die Reaktion
Das ist der Punkt, den Lieferanten am häufigsten falsch einschätzen. Ein Serienfehler allein führt selten zur Hochstufung. Ausschlaggebend sind verpasste Reaktionsfristen, wiederholte Fehler mit derselben Ursache und Maßnahmen, die sich als unwirksam erwiesen haben.
Die meisten Hersteller erwarten die Sofortmaßnahme innerhalb eines Arbeitstags nach der Meldung, die Ursachenanalyse und die dauerhaften Maßnahmen zu weiteren, fest vorgegebenen Terminen. Welche Fristen für Sie gelten, steht in den kundenspezifischen Anforderungen. Ein inhaltlich schwacher 8D-Bericht, der pünktlich kommt, ist der bessere Ausgangspunkt als ein guter, der zu spät kommt — beide zusammen sind der eigentliche Ausweg.
Die Stufen bauen aufeinander auf
Auf der ersten Stufe richten Sie eine zusätzliche, von der Serienprüfung getrennte Kontrolle ein, dokumentieren deren Ergebnisse und melden sie regelmäßig. Diese Prüfung kommt zur normalen Prüfung hinzu, sie ersetzt sie nicht.
Auf der zweiten Stufe wird eine unabhängige dritte Partei eingeschaltet, die diese Kontrolle durchführt oder überwacht. Ausgewählt wird sie meist vom Kunden, bezahlt wird sie von Ihnen. Auf den weiteren Stufen folgen Auditbesuche des Kunden, Managementgespräche und die Sperre für Neugeschäft. Letztere trifft nicht die laufende Serie, sondern jede künftige Nominierung — und wirkt damit weit über das auslösende Bauteil hinaus.
Die Zertifizierung ist betroffen
Setzt ein Kunde Sie in einen Sonderstatus, ist das gegenüber der Zertifizierungsstelle meldepflichtig. Sie kann ein Sonderaudit ansetzen und den Zertifikatsstatus überprüfen. Unter IATF 16949 ist dieser Zusammenhang deutlich enger geknüpft als bei ISO 9001: Kundenzufriedenheit ist dort kein weiches Kriterium, sondern Teil des Zertifizierungssystems.
Wer die Meldung unterlässt, riskiert mehr als eine Abweichung. Die Stelle erfährt vom Sonderstatus regelmäßig ohnehin, spätestens im nächsten Überwachungsaudit anhand der Kundenkennzahlen.
Was den Weg zurück verlängert
Der Ausstieg hängt an nachgewiesener Wirksamkeit über einen vom Kunden bestimmten Zeitraum. Verlangt werden meist mehrere fehlerfreie Lieferzeiträume und ein Nachweis, dass die Maßnahmen in die Regeldokumente eingeflossen sind — FMEA, Control Plan, Prüfanweisungen.
Zwei Muster verlängern den Zustand zuverlässig. Das erste ist die verschärfte Prüfung als Dauerlösung: Sie fängt Fehler ab, statt sie zu beseitigen, und wird zur teuren Gewohnheit. Das zweite ist die wiederholte Sonderfreigabe für dasselbe Merkmal. Beides signalisiert dem Kunden, dass die Ursache unverstanden ist — und beeinflusst die Bewertung, die über Ihre Lieferantenfreigabe für künftige Projekte entscheidet.
