Glossar

Lieferantenfreigabe

Die Lieferantenfreigabe ist die dokumentierte Entscheidung eines Kunden, einen Zulieferer für bestimmte Umfänge und Standorte zur Belieferung zuzulassen.

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Lieferant und Kunde besprechen geforderte Nachweise

Die Lieferantenfreigabe ist die dokumentierte Entscheidung eines Kunden, einen Zulieferer für bestimmte Umfänge und Standorte zur Belieferung zuzulassen. Sie steht vor der Nominierung und ist von der Freigabe einzelner Teile getrennt. Der Begriff wird in beide Richtungen verwendet: für Ihre Zulassung beim Hersteller und für Ihre eigene Zulassung von Vorlieferanten.

Freigegebener Lieferant heißt nicht freigegebenes Teil

Diese Unterscheidung kostet in Projekten regelmäßig Zeit. Die Lieferantenfreigabe berechtigt Sie, Angebote abzugeben und beauftragt zu werden. Ob ein konkretes Bauteil in Serie geliefert werden darf, entscheidet erst die Bemusterung. Beide Freigaben laufen parallel, folgen aber unterschiedlichen Fristen und liegen beim Kunden meist in verschiedenen Abteilungen — Einkauf und Lieferantenqualität auf der einen, projektbezogene Qualitätsplanung auf der anderen Seite.

Ebenso wichtig: Die Freigabe gilt für den Fertigungsstandort, nicht für das Unternehmen. Wer denselben Umfang an ein zweites Werk verlagert, braucht eine neue Freigabe und eine neue Bemusterung. Konzerninterne Verlagerungen werden deshalb häufig zu spät gemeldet.

Zertifikat, Selbstauskunft, Potenzialanalyse

Der Weg zur Freigabe läuft in den meisten Fällen über drei Stufen. Am Anfang steht der Nachweis eines Managementsystems, in der Automobilindustrie meist IATF 16949 oder mindestens ISO 9001. Ob das Zertifikat aus einem akkreditierten Verfahren stammt, ist dabei kein Detail — warum Auftraggeber darauf bestehen, beschreibt der Beitrag zu akkreditierten Zertifikaten in Ausschreibungen.

Es folgt die Selbstauskunft zu Kapazitäten, Prozessen, Standorten und Vorlieferanten. Den Abschluss bildet häufig eine Potenzialanalyse vor Ort. Sie bewertet nach einem Fragenkatalog des Verbands der Automobilindustrie, ob Sie den geplanten Umfang tatsächlich beherrschen, und mündet in eine Einstufung nach Prozentwerten und den Stufen A, B und C. Zu wissen ist dabei: Abwertungsregeln können eine rechnerisch gute Bewertung auf die schlechteste Stufe ziehen, wenn einzelne Fragen kritisch bewertet werden. Eine solide Gesamtprozentzahl ist deshalb kein sicheres Ergebnis.

Nach unten gilt dieselbe Pflicht

Die Norm verlangt ein geregeltes Verfahren für die Auswahl, Bewertung und Entwicklung Ihrer eigenen Vorlieferanten — mit einem Zertifizierungsziel für die Lieferkette. Ausgangspunkt ist üblicherweise eine Zertifizierung nach ISO 9001 durch eine unabhängige Stelle, mit einem weitergehenden automobilspezifischen Ziel, soweit Ihr Kunde nichts anderes zulässt.

Der praktische Fehler liegt beim Nachweis der Entwicklung. Eine Lieferantenliste mit Zertifikatsdaten erfüllt die Forderung nicht. Verlangt wird ein nachvollziehbarer Weg: Bewertung, abgeleitete Maßnahmen, Termine, Wirksamkeitsprüfung. Wer hier nur Kennzahlen sammelt, bekommt im Audit eine Abweichung.

Die Freigabe ist kein Dauerzustand

Lieferantenbewertungen laufen fortlaufend über Kennzahlen zu Qualität, Logistik und Reaktionszeiten. Fällt die Bewertung ab, folgen zuerst Gespräche und Maßnahmenpläne, dann eine Eskalationsstufe — bis hin zur Sperre für Neugeschäft bei bestehender Serienbelieferung. Das ist die unangenehmste Variante: Sie liefern weiter, werden aber bei keiner neuen Vergabe mehr berücksichtigt. Bemerkt wird das oft erst, wenn Anfragen ausbleiben, für die man sich sicher gewähnt hatte.

Häufige Fragen

Ist die Lieferantenfreigabe dasselbe wie die Teilefreigabe?

Nein, und diese Verwechslung führt regelmäßig zu Terminproblemen. Die Lieferantenfreigabe erlaubt Ihnen, für bestimmte Umfänge beauftragt zu werden. Ob ein konkretes Teil geliefert werden darf, entscheidet erst die Bemusterung. Ein freigegebener Lieferant ohne freigegebenes Teil darf nicht in Serie liefern.

Gilt die Freigabe für das Unternehmen oder den Standort?

Für den Standort. Wer denselben Umfang an einem zweiten Werk fertigen will, braucht dafür eine eigene Freigabe und eine erneute Bemusterung. Verlagerungen innerhalb des eigenen Konzerns werden deshalb häufig unterschätzt: Der Kunde behandelt sie wie eine Prozessänderung, nicht wie eine interne Angelegenheit.

Welche Rolle spielt ein Zertifikat?

Es ist Eintrittskarte, nicht Freigabe. Die meisten Hersteller setzen ein Managementsystem-Zertifikat voraus und bewerten darüber hinaus die Prozessfähigkeit, oft über eine Potenzialanalyse vor Ort. Ein Zertifikat ohne belastbare Prozesse fällt in dieser Analyse auf, weil dort das konkrete Projekt und nicht das System bewertet wird.

Was verlangt die Norm für meine eigenen Vorlieferanten?

Ein geregeltes Verfahren zur Auswahl, Bewertung und Entwicklung, mit einem Zertifizierungsziel für die Lieferkette. Ausgangspunkt ist in der Regel eine Zertifizierung nach ISO 9001 durch eine unabhängige Stelle, mit dem weitergehenden Ziel eines automobilspezifischen Nachweises, soweit der Kunde nichts anderes zulässt.

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