Die IFS-Punktbewertung wandelt ein Audit in eine Prozentzahl um. Jede geprüfte Anforderung erhält eine Bewertungsstufe, die Stufen werden mit Punkten hinterlegt, die Summe wird ins Verhältnis zur erreichbaren Punktzahl gesetzt. Aus dem Ergebnis folgt, ob ein Zertifikat erteilt wird und auf welchem Niveau. Das unterscheidet die Handelsstandards grundlegend vom Bestehen-oder-nicht-Prinzip der ISO-Zertifizierung.
Vier Stufen mit ungleichem Gewicht
Volle Erfüllung, nahezu vollständige Erfüllung, teilweise Erfüllung, Nichterfüllung: Die Abstufungen wirken linear, sind es aber nicht. Die volle Erfüllung bringt 20 Punkte, die teilweise Erfüllung nur 5, die Nichterfüllung 20 Minuspunkte. Zwischen der besten und der schlechtesten Bewertung einer einzigen Anforderung liegen damit 40 Punkte.
Daraus folgt eine Rechnung, die viele Betriebe unterschätzen: Nicht die eine schwere Feststellung ist gefährlich, sondern die Ansammlung teilweise erfüllter Anforderungen. Ein Betrieb ohne einzige Nichterfüllung kann durch zwei Dutzend C-Bewertungen unter das Niveau rutschen, das sein Kunde erwartet.
Abweichungen, die überproportional wirken
Über die normale Bewertung hinaus kennt der Standard zwei Sonderfälle. Die schwerwiegende Abweichung führt zu einem prozentualen Abzug auf die Gesamtwertung und begrenzt das erreichbare Niveau. Die Nichterfüllung einer KO-Anforderung führt zu einem deutlich höheren Abzug und dazu, dass kein Zertifikat erteilt wird.
Die zehn KO-Anforderungen betreffen die Punkte, bei denen der Handel kein Ermessen zulässt: Verantwortung der obersten Leitung, Überwachung der kritischen Lenkungspunkte, Personalhygiene, Rohstoffspezifikationen, Rezepturkonformität, Fremdkörpermanagement, Rückverfolgbarkeit, interne Audits, Verfahren für Rücknahme und Rückruf sowie Korrekturmaßnahmen. Wer sich auf ein Audit vorbereitet, arbeitet diese Liste zuerst ab.
Die Zahl ist öffentlich, das Ergebnis wirkt weiter
Zertifikat und Niveau werden in der IFS-Datenbank hinterlegt und sind für Kunden einsehbar. Ein knapp unter der oberen Schwelle liegendes Ergebnis ist formal ein Erfolg und geschäftlich eine Erklärung, die der Vertrieb führen muss. Das ist der wesentliche Unterschied zu einem Zertifikat, das nur bestätigt, dass ein System die Anforderungen erfüllt.
Nach dem Audit folgt der Maßnahmenplan. Er ist keine Formalität: Für jede Feststellung müssen Ursache, Maßnahme, Verantwortlicher und Termin eingetragen werden, und die Zertifizierungsstelle bewertet ihn, bevor die Zertifizierungsentscheidung fällt. Ein oberflächlicher Plan verzögert das Zertifikat mehr als die Feststellung selbst.
Woran Betriebe Punkte verlieren, ohne es zu merken
An der Nachweisführung, nicht an der Praxis. Ein Verfahren wird gelebt, aber die Aufzeichnung belegt es nicht — das ergibt eine teilweise Erfüllung, obwohl inhaltlich nichts fehlt. Diese Bewertungen summieren sich still über den Auditbericht.
Der zweite Verlustpunkt ist die Vorjahresfeststellung. Wiederholt sich eine Abweichung aus dem letzten Audit, bewerten Auditoren strenger, weil die Wirksamkeit der Korrekturmaßnahme widerlegt ist. Halten Sie eine Bewertung für sachlich falsch, ist der Weg dafür formalisiert; wie das abläuft, beschreibt der Beitrag dazu, wie Sie sich gegen eine Auditfeststellung wehren. Wie die Standards der Lebensmittelbranche nebeneinander stehen, ordnet die Branchenübersicht ein.
