Glossar

Unangekündigtes Audit

Ein unangekündigtes Audit ist ein Zertifizierungsaudit, dessen Termin dem geprüften Unternehmen vorher nicht mitgeteilt wird und das innerhalb eines festgelegten Zeitfensters ohne Vorankündigung beginnt.

Einschätzung anfragen Zum Inhalt

Auditorin macht Notizen bei einer Betriebsbegehung

Beim unangekündigten Audit erfährt der Betrieb den Termin nicht vorher. Der Auditor erscheint innerhalb eines Zeitfensters, das sich am Jahrestag des Zertifikats orientiert, meldet sich an der Pforte und beginnt. Die Handelsstandards der Lebensmittelbranche haben dieses Verfahren von einer freiwilligen Option zu einem festen Bestandteil des Zyklus entwickelt; wie oft es innerhalb eines Zyklus vorgeschrieben ist, regelt die jeweils geltende Fassung des Standards.

Warum der Handel darauf besteht

Ein angekündigtes Audit misst zwei Dinge gleichzeitig: den Zustand des Betriebs und die Qualität seiner Vorbereitung. Der Handel interessiert sich nur für das erste. Wenn drei Wochen vor dem Termin die Aufzeichnungen nachgetragen, die Wände gestrichen und die Zonentrennung wiederhergestellt werden, sagt das Ergebnis wenig über den Tag, an dem geliefert wird.

Das unangekündigte Verfahren verschiebt damit den Aufwand. Er sinkt vor dem Termin und steigt im Alltag — und genau das ist beabsichtigt.

Zeitfenster, Sperrtage und die Uhr an der Pforte

Drei Mechanismen bestimmen den Ablauf. Erstens das Zeitfenster: Der Termin liegt in einem definierten Zeitraum vor dem Ablauf des bestehenden Zertifikats, sodass die Neuausstellung ohne Lücke möglich bleibt. Zweitens die Sperrtage: Eine begrenzte, vorab gemeldete und begründete Zahl von Tagen, an denen kein Audit stattfinden kann. Drittens der Beginn: Mit dem Eintreffen des Auditors läuft die Auditzeit.

Der dritte Punkt ist der praktisch teuerste. Wenn die Pforte eine halbe Stunde braucht, um jemanden zu finden, der den Auditor in Empfang nimmt, fehlt diese Zeit später bei der Begehung — und in Aufzeichnungen wird dann nur noch stichprobenartig geschaut, was selten zugunsten des Betriebs ausgeht.

Die Vorbereitung ist organisatorisch, nicht inhaltlich

Vier Dinge entscheiden über den Start. Erstens eine Anweisung an der Pforte, wer in welcher Reihenfolge zu informieren ist und wer den Auditor bis dahin begleitet — das berührt zugleich das Besucherverfahren aus dem Bereich Food Defense. Zweitens eine belastbare Vertretungsregelung: Das Audit wartet nicht auf die Rückkehr der Qualitätsleitung. Drittens der Zugriff auf Unterlagen ohne das Passwort einer einzelnen Person. Viertens aktuelle Nachweise für Fremdfirmen, Schulungen und Kalibrierungen, weil hier nichts nachgereicht werden kann, was nicht existiert.

Der häufigste Startfehler ist der Versuch, den Auditor im Besprechungsraum zu parken, bis der Betrieb sortiert ist. Erfahrene Auditoren beginnen dann mit der Begehung.

Woran es im Audit tatsächlich hängt

An zwei Übungen, die sich nicht improvisieren lassen. Die eine ist die Rückverfolgbarkeitsübung, die der Auditor an einem selbst gewählten Los ansetzt. Die andere ist die Erklärung des laufenden Prozesses durch die Schicht, nicht durch die Qualitätssicherung.

Beides fließt unmittelbar in die IFS-Punktbewertung ein. Wer bei der Auswahl der Zertifizierungsstelle darauf achtet, dass die Auditoren die eigene Produktkategorie kennen, spart sich dabei Diskussionen über Selbstverständlichkeiten — worauf es dabei ankommt, beschreibt der Beitrag dazu, wie Sie Auditoren mit passender Branchenerfahrung bekommen.

Häufige Fragen

Darf ich den Auditor wegschicken?

Praktisch nein. Die Verweigerung des Zutritts wird wie ein nicht bestandenes Audit behandelt und kann das laufende Zertifikat gefährden. Zulässig sind nur die vorab gemeldeten Sperrtage. Wer den Auditor an der Pforte warten lässt, weil die Leitung nicht im Haus ist, verliert außerdem Auditzeit — die Uhr läuft ab dem Eintreffen.

Kann ich Tage sperren, an denen kein Audit möglich ist?

Die Standards sehen eine begrenzte Zahl von Sperrtagen vor, die Sie vorab melden und begründen müssen — Betriebsferien, Stillstand, Umbau. Der Zeitraum ist eng bemessen und nicht dazu gedacht, unbequeme Produktionswochen auszuklammern. Wer die gesamte Saison sperren will, bekommt die Meldung zurück.

Was wird geprüft, wenn gerade das falsche Produkt läuft?

Das, was läuft. Genau darin liegt der Zweck des Verfahrens. Der Auditor bewertet den Betrieb im Normalzustand, nicht in der für den Termin hergerichteten Form. Für Betriebe mit stark saisonalem Sortiment bedeutet das, dass einzelne Prozesse über Belege und Aufzeichnungen statt in der Beobachtung geprüft werden.

Ist ein unangekündigtes Audit strenger?

Der Maßstab ist derselbe, die Ausgangslage nicht. Ohne Vorbereitungswoche zeigen sich Lücken bei Aufzeichnungen, Vertretungsregelungen und Instandhaltung deutlicher. Betriebe mit stabilen Abläufen schneiden häufig ähnlich ab wie im angekündigten Audit; Betriebe, die ihr System auf den Termin hin herstellen, verlieren spürbar Punkte.

Passend dazu