Glossar

Assessment Level

Das Assessment Level ist die vom Auftraggeber vorgegebene Prüftiefe eines TISAX-Assessments und richtet sich nach dem Schutzbedarf der Informationen, mit denen der Zulieferer umgeht.

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Entwicklungsbüro eines Automobilzulieferers mit abgeschirmtem Arbeitsbereich

Das Assessment Level legt fest, wie tief ein TISAX-Prüfdienstleister Ihr Informationssicherheits-Managementsystem prüft. Sie wählen es nicht selbst. Es wird von dem Auftraggeber vorgegeben, der den Nachweis verlangt. Zulieferern der Automobilindustrie begegnen in der Praxis zwei Stufen: AL 2 und AL 3.

Der Auftraggeber bestimmt die Stufe

Grundlage ist der Schutzbedarf der Informationen, mit denen Sie umgehen. Hoher Schutzbedarf führt zu AL 2, sehr hoher zu AL 3. Diese Einstufung nimmt der Kunde vor — nicht der Prüfdienstleister und erst recht nicht Sie. Welches Level gilt, steht meist in den Lieferantenvorgaben, die im Automobilumfeld als kundenspezifische Anforderungen geführt werden.

Daneben gibt es AL 1. Dabei bleibt es bei der Selbsteinschätzung ohne externe Verifizierung. Für den Nachweis gegenüber Kunden ist das praktisch bedeutungslos, weil kein extern bestätigtes Ergebnis entsteht. Wer AL 1 als günstige Variante angeboten bekommt, sollte fragen, wofür der Auftraggeber es akzeptieren soll.

AL 2 und AL 3 unterscheiden sich in der Nachweistiefe

Bei AL 2 ist Ihre Selbsteinschätzung nach VDA ISA die Grundlage. Der Prüfdienstleister verlangt Belege, führt Gespräche und prüft, ob die Reifegrade, die Sie sich selbst gegeben haben, durch Nachweise gedeckt sind. Eine Begehung ist möglich, aber nicht zwingend.

Bei AL 3 kommt der Prüfer in jedem Fall vor Ort. Er sieht sich Räume, Zutrittsregelungen, Serverstandorte und Arbeitsplätze an und zieht Stichproben aus der laufenden Arbeit. Der Aufwand liegt deutlich über AL 2, und zwar nicht nur beim Dienstleister: Sie müssen Ansprechpartner aus IT, Personal, Facility Management und den Fachbereichen über mehrere Tage verfügbar halten. Das wird bei der Terminplanung regelmäßig unterschätzt.

Level und Prüfziel werden ständig verwechselt

Das Assessment Level beschreibt die Prüftiefe, das Prüfziel den Inhalt. Informationssicherheit ist der Regelfall. Hinzukommen können der Prototypenschutz und der Umgang mit personenbezogenen Daten. Beides wird getrennt festgelegt und getrennt beauftragt.

Ein Assessment auf der richtigen Stufe, aber mit dem falschen Prüfziel, nützt Ihrem Kunden nichts und muss wiederholt werden. Fragen Sie deshalb beides in einem Satz ab: welches Level, welche Prüfziele, für welchen Standort. Die Antwort gehört schriftlich in die Akte, bevor Sie ein Angebot einholen. Das Verfahren im Ganzen beschreibt die Seite zu TISAX.

Wo der Zeitplan reißt

Registrierung und Scope-Festlegung laufen über die ENX-Plattform, bevor der Prüfdienstleister terminieren kann. Bei AL 3 kommt hinzu, dass Prüfer mit passender Qualifikation und freien Vor-Ort-Terminen knapp sind.

Der zweite Engpass liegt hinter dem Assessment. Werden Abweichungen festgestellt, folgt ein Maßnahmenplan mit Fristen; das endgültige Ergebnis steht erst, wenn die Umsetzung nachgewiesen ist. Wer die Erneuerung eines auslaufenden Labels erst kurz vor Ablauf startet, hat für diese Schleife keine Reserve. Das Label läuft dann aus, ohne dass eine Übergangsfrist greift — und der Kunde sieht auf der Plattform schlicht keinen gültigen Eintrag mehr.

Häufige Fragen

Kann ich das Assessment Level selbst wählen?

Nein. Es ergibt sich aus dem Schutzbedarf der Informationen, die Ihr Auftraggeber Ihnen überlässt, und wird von ihm vorgegeben. Wer auf Verdacht beauftragt, riskiert ein Ergebnis, das der Kunde nicht akzeptiert. Lassen Sie sich Level und Prüfziele schriftlich bestätigen, bevor Sie ein Angebot einholen.

Was ist der Unterschied zwischen AL 2 und AL 3?

AL 2 stützt sich auf Ihre Selbsteinschätzung nach VDA ISA, die der Prüfdienstleister anhand von Nachweisen und Gesprächen plausibilisiert. Eine Begehung ist möglich, aber nicht zwingend. AL 3 umfasst immer eine Vor-Ort-Prüfung mit deutlich höherer Nachweistiefe. Der Unterschied liegt in der Prüftiefe, nicht im Fragenkatalog.

Wofür gibt es AL 1?

AL 1 bleibt bei der reinen Selbsteinschätzung ohne externe Verifizierung. Für den Nachweis gegenüber Auftraggebern spielt es kaum eine Rolle, weil kein extern bestätigtes Ergebnis entsteht, auf das sich ein Kunde stützen könnte. Wenn Ihnen jemand AL 1 als günstige Variante anbietet, fragen Sie nach, wofür Ihr Kunde es akzeptieren soll.

Ändert sich der Fragenkatalog mit dem Level?

Nein. Geprüft wird gegen denselben VDA ISA. Was sich ändert, ist die Art und Menge der Nachweise, die der Prüfdienstleister sehen will, und ob er dafür ins Haus kommt. Der inhaltliche Umfang wird stattdessen über die Prüfziele gesteuert, die getrennt vom Level festgelegt werden.

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