Glossar

VDA ISA

Der VDA ISA (Information Security Assessment) ist der Kriterienkatalog des Verbands der Automobilindustrie, mit dem Unternehmen ihre Informationssicherheit zunächst selbst bewerten und der anschließend als Prüfgrundlage für ein TISAX-Assessment dient.

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Datenschutz und Informationssicherheit in der Automobilzulieferkette

Der VDA ISA ist die Frageliste, gegen die in einem TISAX-Assessment geprüft wird. Er kommt als Arbeitsmappe mit Kriterien, Zielreifegraden, Feldern für den eigenen Ist-Stand, für Begründungen und für geplante Maßnahmen. Erst füllt das Unternehmen ihn selbst aus, dann prüft ein zugelassener Prüfdienstleister diese Selbsteinschätzung vor Ort oder remote gegen die Realität.

Drei Bereiche, nicht einer

Der Katalog besteht aus mehreren Modulen. Der Kern behandelt Informationssicherheit: Organisation, Personal, physische Sicherheit, Identitäts- und Zugriffsmanagement, IT-Betrieb, Lieferantenbeziehungen, Vorfälle und Kontinuität.

Dazu kommen zwei Ergänzungen. Der Prototypenschutz betrifft den Umgang mit Fahrzeugen, Bauteilen und Erprobungsträgern, die noch nicht öffentlich sind — von der Zutrittsregelung über Kamera- und Handyverbote bis zu Vorgaben für Testfahrten und Veranstaltungen. Der Datenschutzteil greift Anforderungen aus der Auftragsverarbeitung auf.

Welche Module gelten, hängt vom Prüfziel ab, das der Auftraggeber verlangt. Ein Zulieferer, der ausschließlich Daten verarbeitet und nie ein Bauteil sieht, braucht den Prototypenschutz nicht. Wer ihn trotzdem mitprüfen lässt, bezahlt Aufwand für einen Nachweis, den niemand von ihm fordert.

Das Reifegradmodell ist der Kern

Jedes Kriterium wird nicht mit ja oder nein beantwortet, sondern mit einem Reifegrad zwischen 0 und 5. Die Logik stammt aus der Prozessbewertung: Zuerst muss etwas überhaupt getan werden, dann geregelt und dokumentiert, dann gesteuert, dann gemessen und schließlich verbessert.

Praktisch heißt das: Eine gelebte, aber unbeschriebene Praxis erreicht die mittleren Stufen nicht. Umgekehrt reicht eine schöne Richtlinie ohne Nachweis der Anwendung ebenfalls nicht. Der Nachweis ist immer die Kombination aus Regelung und Beleg, dass sie greift.

Die Kriterien sind zudem nach Verbindlichkeit gestaffelt. Neben den Grundanforderungen gibt es Anforderungen, die erst bei hohem oder sehr hohem Schutzbedarf zusätzlich gelten. Wer diese Staffelung übersieht, arbeitet sich an Punkten ab, die für sein Prüfziel gar nicht gefordert sind.

Wo Selbsteinschätzungen regelmäßig scheitern

Der häufigste Fehler ist die zu freundliche Bewertung. Unternehmen tragen den Zielreifegrad in die Ist-Spalte ein, weil das Thema „im Prinzip abgedeckt“ ist. Im Assessment führt jede solche Position zu einer Abweichung, und die Summe kleiner Abweichungen kostet einen zweiten Termin.

Der zweite Fehler betrifft den Geltungsbereich. Der ISA wird für einen definierten Standort und einen definierten Umfang ausgefüllt. Wer die Konzern-IT beschreibt, aber den Standort prüfen lässt, an dem die Fertigung mit eigener Infrastruktur läuft, erlebt eine unangenehme Überraschung.

Der dritte betrifft die Lieferkette. Anforderungen an Dienstleister müssen weitergegeben und deren Einhaltung überwacht werden — die Frage nach dem Rechenzentrumsbetreiber und dem Entwicklungsdienstleister kommt zuverlässig.

Wie aus dem ausgefüllten Katalog ein Nachweis wird, beschreibt der Eintrag TISAX-Label; die Organisation dahinter der Eintrag ENX Association. Den Ablauf im Überblick finden Sie unter TISAX-Zertifizierung und Branche Automotive.

Häufige Fragen

Ist der VDA ISA eine Norm?

Nein. Er ist ein Branchenkatalog, den der VDA gemeinsam mit der ENX Association pflegt und in versionierten Fassungen veröffentlicht. Er lehnt sich inhaltlich an ISO/IEC 27001 an, ist aber kein Normersatz und wird nicht von einem Normungsgremium beschlossen. Deshalb ändern sich Aufbau und Nummerierung der Kriterien zwischen den Versionen spürbar.

Was bedeuten die Reifegrade?

Der ISA bewertet jedes Kriterium auf einer Skala von 0 bis 5. Null bedeutet, es existiert nichts. Die mittleren Stufen unterscheiden, ob ein Prozess durchgeführt, dokumentiert und gesteuert wird. Die oberen Stufen verlangen Messung und kontinuierliche Verbesserung. Für die meisten Kriterien wird ein Zielreifegrad in der Mitte der Skala erwartet, nicht das Maximum.

Reicht ein ISO-27001-Zertifikat als Ersatz?

Nein, aber es hilft erheblich. Viele ISA-Kriterien lassen sich mit vorhandenen Nachweisen aus einem ISMS belegen. Der ISA geht darüber hinaus, wo die Branche eigene Anforderungen hat — insbesondere beim Schutz physischer Prototypen. Diesen Teil deckt ein ISO-27001-Zertifikat nicht ab, weil er Werkschutz, Zutritt und Fototrennung betrifft.

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