Glossar

TISAX-Label

Ein TISAX-Label ist das Ergebnis eines bestandenen TISAX-Assessments und bestätigt für einen bestimmten Standort und ein bestimmtes Prüfziel, dass die Anforderungen des VDA ISA erfüllt sind.

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Datenschutz und Informationssicherheit in der Automobilzulieferkette

Ein TISAX-Label ist der Nachweis, dass ein Standort ein Assessment nach dem VDA ISA bestanden hat. Es ist bewusst kein Zertifikat: Es wird nicht von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ausgestellt, es hängt nicht als Urkunde im Empfang und es steht in keinem öffentlichen Register. Es existiert als Eintrag auf der Plattform der ENX Association — und nur dort.

Prüfziel und Prüftiefe bestimmen, was das Label wert ist

Ein Label ist nie allgemein. Es gehört zu einem Prüfziel, das beschreibt, welche Art von Information geschützt werden soll: vertrauliche Informationen, Informationen mit sehr hohem Schutzbedarf, Prototypenteile und -bauteile, Erprobungsfahrzeuge oder personenbezogene Daten. Dazu kommt die Prüftiefe, die festlegt, wie geprüft wurde — von der reinen Plausibilisierung der Selbsteinschätzung bis zur Prüfung vor Ort mit Interviews und Begehung.

Daraus folgt die Frage, die Sie Ihrem Lieferanten stellen müssen: nicht „haben Sie TISAX?“, sondern „welche Labels haben Sie, für welche Standorte und für welches Prüfziel?“. Ein Label für vertrauliche Informationen deckt keine Prototypen ab. Wer Erprobungsträger ins Haus bekommt, braucht das entsprechende Prüfziel — und dieses verlangt physische Maßnahmen, die sich nicht kurzfristig nachrüsten lassen.

Der Weg zum Label

Zuerst die Registrierung bei ENX mit Angabe der Standorte und der benötigten Prüfziele. Dann die Selbsteinschätzung im ISA. Dann die Beauftragung eines zugelassenen Prüfdienstleisters, den Sie frei wählen. Dann das Assessment. Werden Abweichungen festgestellt, folgt ein Maßnahmenplan mit Fristen und eine Nachprüfung; erst danach entsteht das Label. Bis dahin kann ein vorläufiges Ergebnis geteilt werden, das den offenen Stand offenlegt.

Der Zeitbedarf wird regelmäßig unterschätzt. Zwischen erster Registrierung und Label liegen bei einem unvorbereiteten Unternehmen Monate, weil physische Maßnahmen, Verträge mit Dienstleistern und Nachweise über gelebte Prozesse Vorlauf brauchen. Wenn ein Kunde den Nachweis zum Serienstart verlangt, ist der Serienstart der falsche Zeitpunkt, um anzufangen.

Teilen ist ein aktiver Schritt

Das Label liegt auf der Plattform und ist für niemanden sichtbar, bis Sie es freigeben. Diese Freigabe erfolgt gezielt gegenüber einzelnen Partnern. Der häufigste Grund für die Rückfrage „wir sehen Ihren Nachweis nicht“ ist nicht ein fehlendes Label, sondern eine vergessene Freigabe.

Die praktische Konsequenz nach drei Jahren

Ohne Überwachungsaudit fehlt der jährliche Anlass, den Stand zu prüfen. In dieser Zeit ändern sich IT-Landschaft, Dienstleister und Personal. Wer erst kurz vor Ablauf wieder hinsieht, wiederholt faktisch die Erstvorbereitung. Sinnvoll ist eine interne Zwischenprüfung gegen den ISA im Jahresrhythmus — sie kostet wenig und verhindert, dass der Nachweis in der Lücke zwischen zwei Assessments verfällt. Den Ablauf im Überblick beschreibt die Seite TISAX-Zertifizierung, das Umfeld der Branche die Seite Branche Automotive sowie der Standard IATF 16949.

Häufige Fragen

Warum spricht man von Label und nicht von Zertifikat?

Weil TISAX kein akkreditiertes Zertifizierungsverfahren ist, sondern ein Branchenverfahren mit eigenen Regeln. Das Ergebnis wird nicht als Urkunde ausgestellt und öffentlich geführt, sondern als Eintrag auf der ENX-Plattform, den Sie gezielt freigeben. Formulierungen wie „TISAX-zertifiziert“ im Angebot fallen erfahrenen Einkäufern in der Automobilbranche sofort auf.

Wie lange gilt ein TISAX-Label?

Drei Jahre ab Abschluss des Assessments. Anders als bei ISO-Zertifizierungen gibt es kein jährliches Überwachungsaudit, sondern nach Ablauf ein vollständig neues Assessment. Das verführt dazu, das Thema drei Jahre liegen zu lassen — und dann mit einem gewachsenen Rückstand in die Wiederholung zu gehen.

Gilt das Label für den ganzen Konzern?

Nein. Labels sind an registrierte Standorte und den dort angemeldeten Geltungsbereich gebunden. Ein Werk kann ein Label besitzen, während ein zweites keines hat. Wenn Ihr Kunde einen Nachweis für den Standort verlangt, an dem tatsächlich gearbeitet wird, hilft das Label des Hauptsitzes nicht weiter. Prüfen Sie die Standortangabe, nicht den Firmennamen.

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