Glossar

Funktionale Sicherheit

Funktionale Sicherheit ist der Teil der Sicherheit eines Systems, der davon abhängt, dass eine Steuerung oder Schutzeinrichtung im Fehlerfall korrekt reagiert und die Anlage oder das Fahrzeug in einen sicheren Zustand bringt.

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Fertigung von Stahlbauteilen in einer Werkhalle

Funktionale Sicherheit ist der Teil der Sicherheit, der von einer korrekt arbeitenden Steuerung abhängt. Fällt eine Komponente aus, muss eine Schutzfunktion erkennen, dass etwas nicht stimmt, und das System in einen sicheren Zustand bringen — Antrieb abschalten, Druck ablassen, Lenkeingriff zurücknehmen, in einen Rückfallbetrieb wechseln.

Damit ist auch gesagt, was nicht dazugehört. Ein Schutzgitter, das den Eingriff in den Arbeitsraum verhindert, ist eine Sicherheitsmaßnahme, aber keine funktionale. Es reagiert nicht, es steht einfach da. Funktionale Sicherheit beginnt dort, wo Schutz von einer aktiven Reaktion abhängt.

Sicherheitsfunktion und sicherer Zustand

Zwei Begriffe tragen das ganze Thema. Die Sicherheitsfunktion beschreibt, was passieren muss, um eine bestimmte Gefährdung zu vermeiden. Der sichere Zustand beschreibt, wohin das System dabei geht.

Der zweite Begriff ist in der Praxis der schwierigere. Bei einer Maschine ist der sichere Zustand meist der Stillstand. Bei einem Fahrzeug in Fahrt ist er das gerade nicht — ein Steuergerät, das sich bei einem erkannten Fehler einfach abschaltet, kann die Lage verschlimmern. Deshalb arbeitet die Fahrzeugtechnik mit abgestuften Rückfallebenen und begrenzter Restfunktion statt mit einer harten Abschaltung. Wer den sicheren Zustand nicht sauber definiert, hat auch keine prüfbare Sicherheitsfunktion.

Eine Grundnorm, viele Branchenausprägungen

Ausgangspunkt ist IEC 61508 als branchenübergreifende Grundnorm für sicherheitsbezogene elektrische, elektronische und programmierbar elektronische Systeme. Aus ihr sind die branchenspezifischen Regelwerke abgeleitet: ISO 26262 für Straßenfahrzeuge, IEC 61511 für die Prozessindustrie, ISO 13849 und IEC 62061 für Maschinensteuerungen, eigene Normen für Bahnanwendungen und Landmaschinen.

Jede dieser Ausprägungen bringt ihre eigene Risikogröße mit: SIL in der Prozess- und Anlagentechnik, Performance Level im Maschinenbau, ASIL im Fahrzeug. Die Stufen sehen ähnlich aus und werden im Gespräch gern gleichgesetzt. Sie entstehen aber aus verschiedenen Bewertungsverfahren mit verschiedenen Annahmen über Anforderungsrate, Betriebsdauer und Diagnosemöglichkeiten. Eine Zuordnungstabelle ersetzt deshalb keine eigene Bewertung im Regelwerk der Zielbranche.

Nicht zu verwechseln mit Informationssicherheit

Funktionale Sicherheit fragt, ob das System bei einem Fehler richtig reagiert. Informationssicherheit fragt, ob jemand von außen in dieses System eingreifen kann. Beides trifft sich bei vernetzten Steuerungen, und im Fahrzeugbereich stehen die Regelwerke inzwischen ausdrücklich nebeneinander.

Die Verwechslung hat praktische Folgen. Ein Nachweis über Informationssicherheit wie ein TISAX-Label sagt nichts über die funktionale Sicherheit eines Steuergeräts aus. Umgekehrt löst eine saubere Sicherheitsanalyse kein einziges Zugriffsproblem.

Woran es in Projekten hakt

Der wiederkehrende Fehler ist die Reihenfolge. Funktionale Sicherheit wird als Nachweis am Projektende behandelt, obwohl sie in der Konzeptphase entschieden wird. Wer Architektur, Diagnose und Redundanz festgelegt hat, kann die Einstufung danach nicht mehr wesentlich beeinflussen, sondern nur noch dokumentieren, was er gebaut hat.

Der zweite Punkt ist die Unabhängigkeit. Alle Regelwerke verlangen, dass die abschließende Beurteilung nicht von denen kommt, die entwickelt haben — mit steigender Stufe steigt der geforderte Abstand. In kleinen Entwicklungsteams ist das eine Kapazitätsfrage, die früh zu klären ist. Wie das im Fahrzeugbereich konkret aussieht, beschreibt die Seite zu ISO 26262.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zur Arbeitssicherheit?

Arbeitssicherheit betrachtet den Menschen am Arbeitsplatz: Unterweisung, Schutzausrüstung, Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzrecht. Funktionale Sicherheit betrachtet das technische System und die Frage, ob eine Schutzfunktion im Fehlerfall zuverlässig auslöst. Die beiden Themen berühren sich an der Maschine, folgen aber verschiedenen Regelwerken und liegen in Unternehmen meist in verschiedenen Händen.

Lassen sich SIL, PL und ASIL ineinander umrechnen?

Nicht sauber. Es gibt Übersichten, die die Stufen einander gegenüberstellen, und für den Übergang zwischen Maschinenrichtlinien-Normen existieren Zuordnungstabellen. Die Größen beruhen aber auf unterschiedlichen Bewertungsverfahren und unterschiedlichen Annahmen über Betriebsdauer und Nutzungsprofil. Eine Umrechnung über Branchengrenzen hinweg ersetzt keine eigene Betrachtung im Zielregelwerk.

Gibt es ein Zertifikat für funktionale Sicherheit?

Kein Managementsystemzertifikat wie bei ISO 9001. Prüforganisationen bestätigen einzelne Produkte, Komponenten oder Entwicklungsprozesse gegen die jeweils einschlägige Norm, und Fachleute können ihre persönliche Qualifikation bescheinigen lassen. Beides ist produkt- beziehungsweise personenbezogen und deckt nicht das gesamte Unternehmen ab.

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