Glossar

Food Fraud

Food Fraud ist die vorsätzliche Täuschung über Art, Zusammensetzung, Herkunft oder Qualität eines Lebensmittels zum wirtschaftlichen Vorteil, unabhängig davon, ob dabei ein Gesundheitsrisiko entsteht.

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Kommissionierung in einem Logistikzentrum

Food Fraud ist Betrug mit Lebensmitteln aus wirtschaftlichem Interesse. Der Täter will Geld verdienen, nicht schaden — das unterscheidet ihn vom Täter bei Food Defense. Gesundheitliche Folgen sind dabei nicht das Ziel, treten aber ein, wenn der Ersatzstoff Allergene enthält oder unzulässige Substanzen verwendet werden.

Die Analyse blickt nach draußen

Die Gefahrenanalyse im HACCP-System endet an der Werksgrenze. Die Vulnerabilitätsanalyse beginnt genau dort. Sie geht rohstoffweise vor und fragt: Wie viele Hände hat dieser Rohstoff gesehen, bevor er hier ankam? Wie groß ist der Preisabstand zwischen der bestellten und einer billigeren Qualität? Könnte ich eine Verfälschung mit meinen Eingangsprüfungen überhaupt erkennen?

Die dritte Frage entscheidet über den praktischen Wert. Ein Rohstoff, dessen Verfälschung Sie analytisch nicht nachweisen können, braucht Maßnahmen an der Lieferkette, nicht am Wareneingang. Bei Herkunftsangaben ist das die Regel: Ein Isotopennachweis ist möglich, aber teuer, und eine Standardanalytik zeigt nichts.

Der Spotkauf ist die typische Einfallstür

Betriebe bewerten ihre gelisteten Lieferanten sorgfältig. Was regelmäßig durchrutscht, ist die kurzfristige Beschaffung: Ein Rohstoff fehlt, der Stammlieferant kann nicht liefern, der Einkauf besorgt die Ware über einen Broker, und die Vulnerabilitätsanalyse erfährt davon nichts.

Genau diese Konstellation steht hinter vielen bekannten Fällen. Der wirksame Gegenzug ist organisatorisch, nicht analytisch: eine Regel, die Spotkäufe an eine Freigabe durch die Qualitätssicherung bindet, und eine dokumentierte Mindestprüfung für Ware aus nicht bewerteten Quellen. Das kostet den Einkauf Zeit im Engpass — und ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob die Analyse ernst gemeint ist.

Was die Analyse mit den Zahlen des Einkaufs zu tun hat

Der stärkste Frühindikator ist der Preis. Wer deutlich unter Marktniveau einkauft, bekommt in der Regel etwas anderes als bestellt. Ein Abgleich der Einstandspreise mit veröffentlichten Marktnotierungen ist eine Minderungsmaßnahme, die nichts kostet und die viele Betriebe nicht führen, weil Einkauf und Qualitätssicherung getrennte Systeme nutzen.

Der zweitstärkste Indikator ist die Mengenlogik. Wenn ein Lieferant mehr zertifizierte Ware verkauft, als seine Erzeugerbasis hergeben kann, ist das über eine Massenbilanz sichtbar. Dieselbe Rechnung brauchen Sie ohnehin für die Rückverfolgbarkeitsübung.

Woran Konzepte scheitern

Am Aktualisierungsrhythmus. Eine Vulnerabilitätsanalyse ist kein Dokument, sondern eine Beobachtung des Marktes. Ernteausfälle, Handelsbeschränkungen und Preissprünge verändern die Bewertung binnen Wochen. Wer sie einmal jährlich zum Auditvorbereitungstermin anfasst, bildet die Lage von gestern ab.

Der zweite Fehler ist die Trennung von Maßnahme und Nachweis. In der IFS-Punktbewertung zählt nicht, dass eine Maßnahme beschlossen wurde, sondern dass sie stattgefunden hat und wirksam war. Wie sich die Anforderungen in der Lebensmittelbranche verteilen, ordnet die Branchenübersicht ein.

Häufige Fragen

Welche Erscheinungsformen gibt es?

Verdünnung eines hochwertigen Rohstoffs, Substitution durch eine billigere Art, Verschleierung minderer Qualität, falsche Kennzeichnung von Herkunft oder Produktionsweise, nicht zugelassene Zusätze zur Aufwertung, Umleitung von Ware in andere Märkte und offene Produktfälschung. Die meisten realen Fälle sind Mischformen, etwa Substitution plus falsche Herkunftsangabe.

Welche Rohstoffe gelten als anfällig?

Solche mit hoher Preisdifferenz zwischen Qualitätsstufen, langer und undurchsichtiger Lieferkette und schwieriger analytischer Unterscheidbarkeit. Klassiker sind Honig, Olivenöl, Gewürze, Fisch und Meeresfrüchte, Säfte sowie Rohstoffe mit Bio- oder Regionalauslobung. Anfälligkeit ist aber kein Katalog, sondern eine Bewertung Ihrer konkreten Bezugskette.

Was ist eine Vulnerabilitätsanalyse?

Eine strukturierte Bewertung, wie leicht in Ihrer Lieferkette Betrug möglich wäre und wie schnell er auffiele. Bewertet werden Preisdruck und Preisvolatilität, Zahl der Zwischenstufen, geografische Herkunft, Verfügbarkeit analytischer Nachweise und Historie bekannter Fälle. Ergebnis ist eine Rangfolge der Rohstoffe mit zugeordneten Minderungsmaßnahmen.

Reicht eine Lieferantenerklärung als Maßnahme?

Nein, und dieser Punkt fällt in Audits regelmäßig auf. Wer bewusst täuscht, unterschreibt auch eine Erklärung. Wirksam sind Maßnahmen, die Täuschung erschweren oder aufdecken: verkürzte Lieferketten, Auditierung des Vorlieferanten, Herkunftsanalytik, Massenbilanzen und der Abgleich von Einkaufspreisen mit dem Marktniveau.

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